loading . . . "FĂŒr eine gute Entwicklung der Landesmuseen und ihrer Sammlungen setzen wir uns ein." Der Koalitionsvertrag 2026 in Baden-WĂŒrttemberg Vor der Landtagswahl in Baden-WĂŒrttemberg Anfang MĂ€rz stand wenig zur Denkmalpflege in den Wahlprogrammen (Archaeologik 28.2.2026):
Jetzt liegt der Koalitionsvertrag von GrĂŒnen und CDU zur Bildung einer Landesregierung vor. Hier finden sich einige Passagen, die auf Kultur- und Denkmalpolitik eingehen.
* Aus Verantwortung fĂŒrs Land. Gemeinsam stark in stĂŒrmischen Zeiten.
https://www.gruene-bw.de/wp-content/uploads/2026/05/2026-2031_Koalitionsvertrag_GrueneBW_CDUBW.pdf
Im Bereich Tourismus sollen digitale Angebote und KI-Anwendungen zur Ressourcenschonung bis hin zur Echtzeit-GĂ€steinformation beitragen und damit eine enge Vernetzung der touristischen Angebote auch zu Kultur- und Denkmaleinrichtungen stĂ€rken (S. 28). Der KI-Einsatz in der Kultur wird auch S. 43 thematisiert, wonach die KI-Kompetenzen in den Kultureinrichtungen des Landes ausgebaut werden sollen. Ein Förderprogramm soll Kultureinrichtungen bei der Erprobung innovativer KI-Anwendungen unterstĂŒtzen. Dieser KI- und Digitalfokus entstammt dem Wahlprogramm der CDU.
Seite 42f des Koalitionsvertrages heiĂt es:
> Das Land als verlĂ€sslicher Partner fĂŒr Kunst und Kultur Zu den StĂ€rken unseres Landes gehört die besonders reiche Kunst- und Kulturszene, die Spitzeneinrichtungen des Landes ebenso umfasst wie kleinere Initiativen, kommunale Institutionen ebenso wie die Amateur- und Breitenkultur. Wir verstehen Kunst und Kultur als verbindendes Element ĂŒber gesellschaftliche Gruppen hinweg, das in den StĂ€dten und den lĂ€ndlichen RĂ€umen gleichermaĂen wirkt. FĂŒr uns sind kulturelle Bildung und Teilhabe wesentliche Grundlagen einer modernen BĂŒrgergesellschaft. Wir wollen niedrigschwellige ZugĂ€nge zu Kultur fĂŒr alle ermöglichen. Dabei berĂŒcksichtigen und unterstĂŒtzen wir auch den wertvollen Beitrag des Ehrenamts zum kulturellen Leben. Wir stehen zur Kunstfreiheit. Um Kultureinrichtungen besser und unbĂŒrokratisch zu unterstĂŒtzen, wollen wir den Aufwand fĂŒr EinzelmaĂnahmen verringern und stĂ€rker auf institutionelle Förderung setzen. In schwierigen Zeiten sind wir ein vorausschauender und auch finanziell verlĂ€sslicher Partner. Gemeinsam mit den Kommunen wollen wir angesichts angespannter Haushalte Einrichtungen und Kulturschaffenden Perspektiven geben und setzen uns dafĂŒr ein, das kulturelle Angebot vor Ort zu erhalten. Der Ausgleich der Tarifsteigerungen in staatlichen Einrichtungen wird gesichert. Wir setzen uns fĂŒr eine faire VergĂŒtung im Bereich der privaten TrĂ€gerschaften sowie freischaffender KĂŒnstlerinnen und KĂŒnstler ein.
> Das Land steht in besonderer Verantwortung fĂŒr seine staatlichen Einrichtungen. Wir statten sie â insbesondere unsere Museen, Bibliotheken und das Landesarchiv â mit den zur Wahrnehmung ihrer Aufgaben erforderlichen Mitteln aus, denn sie sind das Fundament unserer Wissensgesellschaft. FĂŒr eine gute Entwicklung der Landesmuseen und ihrer Sammlungen setzen wir uns ein. Wir stĂ€rken Museen und Bibliotheken als âDritte Orteâ. Gemeinsam mit den StĂ€dten Stuttgart und Karlsruhe erhalten wir unsere Staatstheater als MehrspartenhĂ€user mit Oper, Schauspiel und Ballett und setzen Rahmenbedingungen, damit diese durch die QualitĂ€t und Exzellenz ihrer kĂŒnstlerischen Produktionen weiterhin national wie international ausstrahlen können.
> Wir wollen den Wandel der Kulturlandschaft durch Digitalisierung unterstĂŒtzend begleiten sowie den Erhalt und den Neubau von Kultur- und FunktionsgebĂ€uden langfristig sichern. Die finanziell schwierigen Haushaltslagen erfordern aus unserer Sicht einen Kulturdialog mit den Kommunen, den Kulturschaffenden aus allen Sparten und Hierarchieebenen und externen Expertinnen und Experten. Wir wollen die Kultur stĂ€rken und vernetzen, Raum fĂŒr Neues schaffen, Kooperationsmöglichkeiten aufzeigen, innovative Strategien entwickeln und Planungssicherheit geben.
> Das Konzept der GroĂen Landesausstellung wollen wir ĂŒberarbeiten.
> ...
Die GroĂen Landesausstellungen in Baden-WĂŒrttemberg waren den letzten Jahrzehnten eine wesentliche Plattform historische und insbesondere archĂ€ologische Themen der Ăffentlichkeit zu prĂ€sentieren.
Seite 103 folgt eine Passage speziell zu Denkmalpflege und Kulturerbe. Hier steht:
> Baden-WĂŒrttemberg ist gesegnet mit einem herausragenden Kulturerbe. Wir stellen uns der Verantwortung, diese Zeugnisse der Kulturgeschichte zu bewahren, ihre Bedeutung zu vermitteln und sie erlebbar zu machen. Wir unterstĂŒtzen die UNESCO-Welterbebewerbungen bezĂŒglich des Fernsehturms Stuttgart und des frĂŒhkeltischen Machtzentrums Heuneburg. Den Welterbefonds BW fĂŒhren wir fort, um die wertvolle Arbeit an allen sieben UNESCOWelterbestĂ€tten zu unterstĂŒtzen. Mit einer eigenen Eiszeitkunst-Konzeption wollen wir das Bewusstsein fĂŒr die historische Bedeutung der Ă€ltesten vom Menschen geschaffenen Kunst weiter voranbringen und deren touristische Potenziale besser erschlieĂen.
> Die Plattform DenkmalnetzBW wollen wir nutzen, um Haupt- und Ehrenamtliche in der Denkmalpflege zu vernetzen, gute Lösungen im Denkmalschutz breiter bekannt zu machen und die Nutzung von denkmalgeschĂŒtzten GebĂ€uden zu erleichtern.
> Beim Denkmalschutz gilt fĂŒr uns: Wir wollen Schutz, aber auch SpielrĂ€ume fĂŒr neue Ideen, fĂŒr Sanierung, Umbau und Nutzung. Wir setzen auf einen pragmatischen Ansatz, der Denkmalschutz und erneuerbare Energien in Einklang bringt. Wohnen im Denkmal wollen wir stĂ€rken.
Angesichts der Entwicklung in Niederstotzingen, wo nach der Mammut-Blamage (Archaeologik 8.10.2022; 16.3.2026) der einstige UNESCO- ArchÀopark inzwischen als Kindergarten genutzt wird (Naturnaher Kindergarten am Vogelherd) ist das Versprechen bemerkenswert, nun eine Eiszeitkunst-Konzeption zu erarbeiten.
Interessant ist, was die GrĂŒnen in den Verhandlungen mit der CDU offenbar nicht durchsetzen konnten. Im Wahlprogramm der GrĂŒnen wurde die Provenienzforschung und koloniale Vergangenheit relativ breit thematisiert - das Thema fehlt im Koalitionsvertrag. Zwar sollen Museen und Bibliotheken als âDritte Orteâ gestĂ€rkt werden, aber von einem freien Eintritt fĂŒr Kinder und Jugendliche in die Sammlungsausstellungen der Landesmuseen ist keine Rede mehr..
Einen breiten Raum nimmt im Koalitionsvertrag die UniversiĂ€ts- und Forschungspolitik ein (S. 34-42). Geistes- und Kulturwissenschaften spielen dabei jedoch keine Rolle. Ein Abschnitt heisst "Freiheit von Forschung und Lehre verteidigen" und trĂ€gt den wissenschaftsfeindlichen Agitationen der amerikanischen MAGAs oder der AfD Rechnung. "Die Wissenschaftsfreiheit ist das unverzichtbare Grundprinzip unserer Politik. Wir lehnen alle Formen von EinschrĂ€nkungen entschieden ab, die dieser Freiheit entgegenstehen oder sie einengen könnten. Dazu zĂ€hlen Vorgaben, die Themen, Methoden oder Kooperationen in der Forschung beschrĂ€nken. Sie widersprechen dem Prinzip der ergebnisoffenen Wissenschaft." FĂŒr Wissenschaftler*innen aus den möglicherweise bald den Rechtsextremisten anheim fallenden BundeslĂ€ndern mögen die "Beratungsstellen fĂŒr angegriffene Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler" hilfreich sein. Ein Passus gilt der Wissenschaftskommunikation: "Wir setzen uns fĂŒr eine offene, digitale und transparente Kommunikation wissenschaftlicher Ergebnisse und Methoden ein. Dies stĂ€rkt die Rolle der Wissenschaft und ihre GlaubwĂŒrdigkeit in der Gesellschaft".
### Interne Links
* Wahlprogramme aus Baden-WĂŒrttemberg - fast ein Totalausfall fĂŒr Kulturerbe, Denkmalpflege und Kulturwissenschaften. Archaeologik 28.2.2026
* Show statt Substanz? Die Denkmalpflege im grĂŒn-schwarzen Koalitionsvertrag in Baden-WĂŒrttemberg. Archaeologik (9.5.2021)
* Erneuern und Bewahren! Aspekte der Denkmalpflege im GrĂŒn-Roten Koalitionsvertrag BaWĂŒ. Archaeologik (30.4.2011)
https://archaeologik.blogspot.com/2026/05/fur-eine-gute-entwicklung-der.html