loading . . . 23. November 1625: Ein kursächsischer Prinz für Magdeburg Wie sollte man sich angesichts des neu ausgebrochenen Konflikts zwischen dem Kaiser und dem König von Dänemark positionieren? Die Frage stellte sich für alle Reichsstände im Niedersächsischen Reichskreis und führte in einzelnen Fällen zu erheblichen Verwerfungen innerhalb eines Territoriums. Ein Beispiel dafür war das Erzstift Magdeburg.
Seit 1608 war Christian Wilhelm von Brandenburg dort Administrator geworden1. Nachdem er längere Jahre durchaus einen Ausgleich mit dem Kaiserhof favorisiert hatte, änderte sich seine Politik im Laufe des Jahres 1624: Er unterstützte nun das Vorgehen Christians IV. Diesen Schwenk in der politischen Ausrichtung macht das Domkapitel in Magdeburg aber nicht mit, das nach wie vor eine kaiserfreundliche Ausrichtung befürwortete. Erst recht waren die Kapitelherren entsetzt, als der Administrator im Herbst Rüstungen zugunsten der dänischen Seite ankündigte.
In dieser Situation bereitete das Domkapitel nicht nur die Absetzung von Christian Wilhelm vor. Parallel dazu beschäftigte es sich mit der Frage, wer auf diesen Administrator folgen sollte. Es war naheliegend, nach dem Brandenburger Christian Wilhelm sich nun wieder auf die Dynastie zuzubewegen, die klassischerweise mit dem Haus Brandenburg um das Erzstift rivalisierte: das Haus Wettin. Auch der grundsätzlich ausgleichende und an Wien orientierte Politikstil der sächsischen Dynastie erschien passend.
Folgerichtig sondierte das Domkapitel im September und Oktober in Dresden, wo man – wenig überraschend – auf offene Ohren stieß. Am 25. Oktober 1625 kündigte das Domkapitel eine erneute Gesandtschaft an den kurfürstlichen Hof an, die aus den zwei Domherren Joachim Bernhard von Rohr, Matthias von Hünicke sowie dem Syndicus Dr. Georg Adam Brunner bestehen sollte2. Anfang November gab es bereits eine Audienz bei Kurfürst Johann Georg, der am 23. November 1625 mit seiner Resolution auf das Anbringen des Domkapitels antwortete3.
In dieser Antwort ließ der Kurfürst seine völlige Übereinstimmung mit dem Wunsch des Domkapitels erkennen: Das Angebot, den kursächsischen Prinzen August zum Koadjutor zu postulieren, nahm Kursachsen jedenfalls gern an, ja da der Kurfürst „eines Dom Capituls gute affection vnd vnderthenigstes vertrauen kegen dero Chur Hauß gnugsamb verspüren“ konnte, „were Jrer Churf Durch nichts liebers, denn daß Sie sich hingegen des Subjecti halben, so man zu postuliren vorhabens, gleichizo endlich erkleren köndten“: Johann Georg konnte es also kaum erwarten.
Doch es gab Formalien zu beachten, und die Verhandlungen darüber mußten in einem Revers zusammengefaßt werden und in einer eigenen Wahlkapitulation des auszuwählenden Koadjutors münden. Weswegen der Kurfürst bis Ende November diese Verhandlungen mit den Gesandten des Domkapitels abschließen wollte. Beide Seiten waren sich also grundsätzlich einig. Entsprechend schnell gingen die Verhandlungen, bereits am 7. Dezember wurden das Decretum Postulationis an Kursachsen ausgehändigt, das seinerseits den notwendigen Revers übergab4.
Das Domkapitel hatte also binnen kurzem eine krisenhafte Situation gemeistert und an der Spitze des Erzstifts einen Wechsel eingefädelt, der politische Stabilität versprach. Aus Halle erging am 20. Dezember 1625 eine Nachricht an den Kaiserhof, die Ferdinand II. über diese Entwicklung informierte5. Daß Herzog August von Sachsen zum Koadjutor des Erzstifts postuliert worden war, sollte in Wien allerdings für Mißstimmung sorgen. Das Haus Habsburg wollte sich keineswegs damit zufrieden geben, daß der Administrator aus dem Haus Brandenburg entfernt werden würde; denn längst hatte man in Wien eigene Ambitionen auf das Erzstift entwickelt.
Die kursächsischen Absichten wurden deswegen als störend empfunden. Und für das Domkapitel bedeutete diese Maßnahme also keineswegs die erhoffte politisch stabile Zukunft. In Kürze schon sollte klar werden, daß sich neben Brandenburg und Wettin auch die Habsburger in den Kampf um das Erzstift Magdeburg einschalten würden.
1. Zu den Hintergründen der Geschicke im Erzstift Magdeburg siehe Michael Kaiser, Dynastische Prätentionen auf Magdeburg. Das Erzstift zwischen Hohenzollern, Wettinern und Habsburgern im Dreißigjährigen Krieg, in: Gabriele Köster, Cornelia Poenicke, Christoph Volkmar (Hrsg.), Magdeburg und die Reformation, Teil 2: Von der Hochburg des Luthertums zum Erinnerungsort (Magdeburger Schriften, 8), Halle a.d.Saale 2017, S. 206-229. [↩]
2. Domkapitel von Magdeburg an Kursachsen, Berg 25.10.1625, LHASA, MD, Rep. A 2, Nr. 41 fol. 3-3‘ Ausf. [↩]
3. Kursächsische Resolution an Gesandte des magdeburgischen Domkapitels, Dresden 23.11.1625, LHASA, MD, Rep. A 2, Nr. 41 fol. 15-16‘ Ausf. [↩]
4. Kursachsen an das Domkapitel von Magdeburg, Dresden 7.12.1625, LHASA, MD, Rep. A 2, Nr. 41 fol. 21-22 Ausf. [↩]
5. Das Domkapitel von Magdeburg (?) an Kaiser Ferdinand II., Halle 20.12.1625, LHASA, MD, Rep. A 2, Nr. 41 fol. 24-29‘ Konz. [↩]
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Michael Kaiser (18. November 2025). 23. November 1625: Ein kursächsischer Prinz für Magdeburg. _dk-blog_. Abgerufen am 18. November 2025 von https://dkblog.hypotheses.org/5990
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