loading . . . Mythos Einhorn: Wikipedianer*innen auf den Spuren des Fabeltiers ## Das Einhorn als jahrtausendealtes Motiv der Kunst
âGott muss alles erschaffen haben â auch das Einhornâ: Dieser Satz ziert einen um 1500 entstandenen gewebten Teppich mit dem Titel âAllegorische Tiereâ und steht beispielhaft fĂŒr die jahrtausendealte Faszination, die das Fabelwesen auslöst. Entgegen seines heutigen, oft bunten und glitzernden Images blickt das Einhorn auf eine rund 4000-jĂ€hrige Geschichte in Mythen, Religion und Kunst zurĂŒck. Dieser Vielschichtigkeit widmete das Museum- Barberini in Potsdam die Ausstellung âEinhorn. Das Fabeltier in der Kunstâ. Ende Januar hatten elf Wikimedia-Aktive im Rahmen einer KulTour die Gelegenheit, sich dem PhĂ€nomen Einhorn exklusiv und aus wikipedianischer Perspektive zu nĂ€hern.
## Zwischen GlĂŒcksbringer und Todesallegorie
Ob als japanischer GlĂŒcksbringer, als Darstellung fĂŒr den Tod zum Beispiel bei der Enthauptung des Johannes oder als Apothekenzeichen mit Narwalzahn im niederösterreichischen Zwettl: Seine Zuschreibungen reichen von sanftmĂŒtig ĂŒber eigenwillig bis kampfstark. Ein Wundertier, das bis heute nicht einzufangen ist â so beschreibt es das Museum-Barberini.
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Oursana, Allegorical Animals â ca. 1500 â Historisches Museum Basel, als gemeinfrei gekennzeichnet, Details auf Wikimedia Commons
https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Seated_Kirin_(MAK)-WUS02284.jpg
Boetius Ă Bolswert creator QS:P170,Q2121061 , Allegorie op de wereld, RP-P-BI-2384, CC0 1.0
Meister der Enthauptung des Johannes, Allegorie mit dem Sonnenspiegel (Meisters der Enthauptung des Johannes)-WUS-02477, CC0 1.0
Oursana, Apothekenzeichen Einhornkopf mit Narwalzahn, CC0 1.0
Einer der Teilnehmenden an der Wikipedianischen KulTour ist Schlesinger. WĂ€hrend der KulTour erhielten er und die anderen Freiwilligen eine kunsthistorische FĂŒhrung durch die Ausstellung â Fotografieren ausdrĂŒcklich erlaubt. Dabei lieĂ sich Schlesinger ganz in den Bann des Fabeltiers ziehen: â[..] fast neigte man sogar dazu, an dieses fantastische Wesen zu glauben und sich wie viele Kinder neben das WĂ€rme ausstrahlende prĂ€parierte pferdeĂ€hnliche Einhornexponat mit echtem Fell zu legen, schlieĂlich werden ihm alle möglichen WunderkrĂ€fte zugeschriebenâ, so der langjĂ€hrige Wikipedianer in seinem Bericht.
Nach der FĂŒhrung erhielten die Ehrenamtlichen Einblicke in die organisatorische Arbeit, die fĂŒr die Ausstellung gestemmt werden musste: denn die Ausstellung versammelt rund 150 Werke, darunter GemĂ€lde, Zeichnungen, Druckgraphiken, illuminierte Manuskripte, Plastiken und Tapisserien, die von 80 Leihgebern aus 16 LĂ€ndern ausgeliehen wurden.
## Einhorn-Wissen fĂŒr alle
Die rund um den Besuch entstandenen Fotos und das neu erworbene Wissen rund um den Mythos Einhorn werden in die Wikipedia, Wikimedia Commons und Wikidata eingearbeitet. Dies ist das Konzept der Wikipedianischen KulTour, von der Wiki-Aktive wie Museen gleichermaĂen profitieren: Ehrenamtliche erhalten exklusive Einblicke in die Museen. Indem sie diese in den Wiki-Projekten verarbeiten, helfen sie den Museen, ihre Inhalte zu öffnen, also zu digitalisieren und frei verfĂŒgbar zu machen. Mit dem Barberini arbeitet die Wikipedia-Community schon seit 2021 zusammen, zuletzt bei der GLAM on Tour 2023. GLAM on Tour ist ein mehrtĂ€giges und erweitertes Austauschformat, das auch eine EinfĂŒhrung in die Wikimedia-Projekte fĂŒr Museumsmitarbeitende beinhaltet.
Die Ergebnisse der jĂŒngsten KulTour können sich schon sehen lassen: Bis jetzt wurden bereits 356 Bilder in Wikimedia Commons und 159 EintrĂ€ge in Wikidata eingefĂŒgt â und die Ehrenamtlichen sind noch lange nicht fertig.
> Wir freuen uns, die Zusammenarbeit mit dem Museum-Barberini in den letzten Jahren verstetigt zu haben. Langfristige Kooperationen wie diese sind besonders lohnend. Sie ermöglichen es den GLAM-Institutionen, sich als wegweisende Akteur*innen in der digitalen Wissensgesellschaft zu positionieren.
Holger Plickert Referent fĂŒr Kultur- und GedĂ€chtnisinstitutionen und GLAM-Organisator bei Wikimedia Deutschland
## GLAM on Tour: So gehtâs weiter
FĂŒr die Zukunft ist noch viel geplant. So sollen Kooperationen mit Gedenk- und ErinnerungsstĂ€tten in den Fokus rĂŒcken. Bei GLAM können Ehrenamtliche und Institutionen gemeinsam die QualitĂ€t und Reichweite des Geschichtswissens in der Wikipedia steigern. Damit leisten sie einen wertvollen Beitrag zur Erweiterung des kollektiven GedĂ€chtnisses und zum Schutz vor Geschichtsmythen und Desinformation.
GLAM on Tour https://blog.wikimedia.de/2026/02/05/kult-tour-einhorn/