loading . . . Die Britzer Prinzessin – ist ein Prinz. **Ein archäologischer Fundkrimi in drei Teilen**
von Elsbeth Bösl
**Berlin-Britz, 28. März 1951.** Eine Bauarbeiterin stößt mit ihrer Schaufel auf Widerstand. Der Boden gibt Knochen frei – zwei Skelette in Rückenlage, die Köpfe nach Westen ausgerichtet. Und mit ihnen: eine prachtvolle Glasschale, ein goldener Brakteat, bronzene Schnallen, ein Kamm aus Geweih, Tongefäße.
Nur wenig später ist klar: Hier liegt etwas Außergewöhnliches. Die Berliner Öffentlichkeit spricht bald von der „Britzer Prinzessin“. Eine junge Frau aus der Völkerwanderungszeit, deren Grab so reich ausgestattet ist, wie man es im Berliner Raum zuvor nicht gefunden hatte. Eine Sensation, für die sich die Berliner Öffentlichkeit brennend interessiert.
Doch die Geschichte endet hier nicht. Sechs Jahrzehnte später, im Jahr 2015, beschließen zwei Berliner Forscherinnen, das Grab neu zu untersuchen. Das Ergebnis der aDNA-Analyse überrascht: Die vermeintliche Prinzessin war genetisch ein Junge (Betram/Melisch 2018).
War 1951 einfach ein Fehler geschehen? Hatte sich jemand geirrt? Oder konnte man es damals gar nicht besser wissen?
Wir sehen im Fund von Britz und seiner Forschungsgeschichte ein Paradebeispiel dafür, dass wissenschaftliche Verfahren und Erkenntnisse dem historischen Wandel unterliegen. Nur weil etwas „wissenschaftlich“ ist, heißt das nicht, dass es für immer Gültigkeit besitzt. Der Fall „Prinz/essin von Britz“ zeigt uns auch die Geschichtlichkeit und Situiertheit von wissenschaftlichem Wissen (Haraway 1988) und die Chancen und Grenzen der zwischenfachlichen Zusammenarbeit auf.
In drei Teilen erzählen wir Euch etwas über den Fund von Britz und über die Forscherinnen, die sich aus der Perspektive verschiedener Fächer mit ihm befasst haben.
Teil 2 folgt am 28. März, wenn sich der Fund zum 75. Mal jährt. Am 29.4. erscheint Teil 3.
## **Schauplatz: Berlin-Britz 1951**
Zwischen Hunnemannstraße und Blaschkeallee, im heutigen Park am Buschkrug, schiebt eine Baukolonne der Firma Schlosser Erde und Lehm zur Seite, um eine neue Parkanlage mit Rodelberg und Wegen zu errichten. Hier arbeitet auch Frau Dressler. Am 28. März, gegen 11 Uhr, stößt sie beim Einebnen eines Hügels auf etwas Ungewöhnliches: Teile von zwei Skelette – in Rückenlage und ca. drei Meter unter der lehmigen Oberkante des Hügels, im Abstand von zwei Metern nebeneinander liegend, mit den Köpfen nach Westen gebettet.
Sie meldet den Fund ihrem Vorarbeiter, Herrn Gorr. Ein Skelett und seine Grabausstattung birgt der Bautrupp selbst, das andere verbleibt mit den Funden in der Erde in einem Erdblock. Im Umfeld der Toten findet die Kolonne noch Kleinfunde: eine eiserne Lanzenspitze mit Holzresten, ein Henkelgussgefäß und ein weiteres Keramikgefäß.
_Quelle: Bürgerverein Britz e. V., Foto: Erich Moebus 1951._ Aus: _Marion Bertram: Geheimnisse eines Grabes: Verwobene Familienbande im Frühmitteltalter,_https://blog.smb.museum/geheimnisse-eines-grabes-verwobene-familienbande-im-fruehmitteltalter/
Ein Glücksfall für die Forschungsgeschichte dieses Fundes ist die Anwesenheit des Vorarbeiters Gorr, denn dieser hat schon Erfahrungen im Umgang mit archäologischen Funden. Er weiß, was zu tun ist, und informiert sofort das Museum für Vor- und Frühgeschichte (heute MVF Berlin). Dessen Direktorin, die Prähistorikerin Dr. Gertrud Dorka (1893-1976), ist als Referentin für Bodendenkmalpflege beim Magistrat von Groß-Berlin für solche Funde zuständig (Dorka 1952; Wagner 2004/2005; Wagner 2006, S. 198-199). Sie befindet sich aber gerade im Osterurlaub und erfährt erst Tage später von den Ereignissen auf der Baustelle. Später hält sie rückwirkend in ihrem Diensttagebuch fest:
> „ _Urlaub vom 27.3.bis zum 4.5. einschließlich. In dieser Zeit wurde in _Britz_ ein Fund aus der _Völkerwanderungszeit_ gemacht. Die Arbeitskolonne der Firma Schlosser Charlottenburg, Suarezstr. 57, stieß am _Mi., d. 28.3._ auf _Knochen von 2 Skeletten_. Der Vorabeiter, Herr Gorr, ein Pommerer aus Stargard, hat schon im vorigen Jahre bei den Arbeiten zum Volkspark an der Blaschkoallee Urnenfunde aus der Latènezeit gemacht. Er hatte die Arbeiter zum vorsichtigen Schürfen ermahnt. Eine Arbeiterin, Frau Dressler, entdeckte als erste die Knochen um 11 Uhr vormittags. Herr Gorr benachrichtigte telefonisch das Museum.“_
>
> Quelle: SMB/MVF IVf4-b14-3, nachträglicher Eintrag, Unterstreichungen im Original
_Auf dieser Seite in ihrem Diensttagebuch trägt Gertrud Dorka den sensationellen Fund von Britz ein._
_Quelle: SMB/MVF IVf4-b14-3, nachträglicher Eintrag_
Während Vorarbeiter Gorr in voraussehender Weise am 28. März noch die Auffindesituation durch ein Mitglied des Heimatvereins Britz, Erich Moebus, fotografieren läßt, organisiert Carl Muth, der Zeichner des Museums, schon die Ortsbegehung. Als er am 29. März mit Karl Instinsky, dem Hilfsrestaurator des Museums für Vor- und Frühgeschichte, eintrifft, finden die beiden das Skelett 2 in situ vor. Skelett 1 hingegen ist ausgegraben und in einem Schuppen weggesperrt worden. Es kann nicht mehr in situ aufgenommen werden, aber es weist zumindest keine größeren Zerstörungen auf.
_Quelle: SMB/MVF F 5037, stehen ganz links Karl Instinsky, daneben Carl Muth, sitzend als zweite von rechts Gertrud Dorka, um 1950._
Die Knochen von Skelett 2 birgt Karl Instinsky fachgemäß, und lässt dann das gesamte Fundmaterial ins Museum transportieren. Am 30. März sieht Gertrud Dorka es dort zum ersten Mal und erkennt, welch außergewöhnlichen Fund sie vor sich hat.
Am 2. April macht sie sich selbst auf zur Fundstelle, um mit dem Geschäftsführer der Baufirma, Heinrich Schlosser, und mit dem Vorarbeiter Gorr zu sprechen und sich die Topografie anzuschauen. Zufrieden hält sie im Diensttagebuch fest, dass der Vorarbeiter die Fundstelle sehr sorgfältig behandelt und rechtzeitig das Museum benachrichtigt hat „e _ntgegen der Ansicht einiger Arbeiter, die die Mordkommission kommen lassen wollten“._(SMB/MVF Berlin, IVf4-b14-3, Eintrag vom 2.4.1951; Zitat später bei Dorka 1952, S. 359)
## **Gertrud Dorka und der Beginn der zwischenfachlichen Zusammenarbeit**
Der Fund von Britz wäre vielleicht nur eine Randnotiz der Berliner Bodendenkmalpflege geblieben – hätte sich nicht ein Netzwerk engagierter Forscher:innen seiner angenommen. Allen voran die Museumsdirektorin, die seine Bedeutung erkennt und ihre Kontakte einsetzt, um eine Untersuchung des Fundes aus der Perspektive verschiedener kultur- und naturwissenschaftlicher Fächer zu ermöglichen. Für die damalige Zeit ist das etwas Besonderes. Es ist zu diesem Zeitpunkt insbesondere nicht üblich, die Expertise naturwissenschaftlicher Fächer für die Untersuchung archäologischer Funde heranzuziehen – ganz besonders dann nicht, wenn es sich „nur“ um Rettungsgrabungen oder Zufallsfunde der Bodendenkmalpflege handelte, und nicht im geplante Forschungsgrabungen. Doch Gertrud Dorka sucht gezielt nach Experten und Expertinnen, die ihr helfen können, aus den Britzer Funden so viel wie möglich herauszuholen.
Die zwischenfachliche Zusammenarbeit, die daraus entsteht, ist situativ, nicht strukturiert, sondern eher zufällig und in hohem Maße lokal: Sie entsteht aus den Kontakten und Ressourcen, die Gertrud Dorka ad hoc zur Verfügung hat. Wissenschaftliche Erkenntnis entsteht weniger aufgrund rationaler, planmäßiger Entscheidungen, sondern ist vielmehr beeinflusst von dem, was möglich war, und auch vom Zufall, der bestimmte, wer sich mit welchen Informationen in Dorkas Forschung einbringt: Das Diensttagebuch gibt z.B. darüber Auskunft, welche Forscher wann im Museum auftauchen, um die Funde zu begutachten, und welches Wissen sie Dorka hinterlassen. Das Ganze ist in hohem Maße kontingent. Die Mikrogeschichte des Falles von Britz ist insofern ein gutes Beispiel für Konstruiertheit und Situiertheit im Sinne von Karin Knorr-Cetina, die spontane Entscheidungen und situative Entscheidungen einschließt (Knorr-Cetina 1984/2002), und für die Sichtweise von Wissenschaft als Praxis, in der auch Zeitpunkt eine große Rolle spielt (Secord 2004, S. 657-658).
Im geteilten Berlin des Jahres 1951 ist Gertrud Dorka eine der zentralen Figuren der archäologischen Forschung und Vermittlung. Sie ist die erste Frau in der Museumsleitung und im Fach angesehen und gut vernetzt. Und sie ist begeistert: Zwei Gräber, die sie aufgrund der Sachfunde in die Völkerwanderungszeit datiert, gefunden mitten im sonst für diese Epoche sehr fundarmen Berlin. Sie studiert die ersten Fotos, die sie von Erich Moebus vom Britzer Heimatverein erhält. (SMB/MVF, IXf4 b-14-3, Eintrag vom 12.4.1951: „Herr Moebus aus Britz zeigt die ersten Fotos von den beiden letztgefundenen Skeletten.“)
## **Die Gräber**
In Grab 1, das Gertrud Dorka als „1/29.III.51 Kiesgruben Grab 1“ bezeichnet (heute Kat.-Nr. If 19976a), lag ein unvollständig erhaltenes Skelett, das sie als das eines älteren Mannes anspricht. Dabei stützt sie sich auf die Knochenmorphologie – sie hat neben Archäologie auch Anthropologie studiert und traut sich erste Aussagen zu Geschlecht und Erhaltungszustand zu. Die Beigaben sind ein kleiner Napf aus bräunlichem Ton mit Strichmusterverzierung und Standdelle, eine kleine Bronzeschnalle sowie einige Eisengeräte, darunter ein Messer und Pfriem und ein nadelartiges Stück.
In Grab 2, damals eingetragen als „Grab II, Kiesgruben, 29.III.51“, heute Kat.-Nr. If 16419, liegt hingegen ein fast vollständig erhaltenes Skelett, das Getrud Dorka gleich als jüngeres, weibliches Individuum anspricht: „ _Es handelt sich um ein weibliches, bei dem das Jugendgebiß mit 28 tadellosen Zähnen besonders auffällt.“_ (SMB/MVF, IXf4 b-14-3, Eintrag vom 2.4.1951).
In diesem Fall hat sie Fotos zur Verfügung, die die Fundsituation dokumentieren, und die Grabung wurde fachmännisch ausgeführt. Die Beigabenausstattung des jüngeren Individuums erscheint ihr auffallend wertvoll: Neben dem rechten Knie liegt eine Schale aus grünlich-durchsichtigem Glas mit Fadenauflage und hohlen Rand, auf der linken Brustseite finden sich zwei kleine Bronzeschnallen und ein Kamm aus Geweih, außerdem eine Schere, ein Messer und ein Schlüsselchen. Bügelreste einer Tasche, deren Stoff oder Leder nicht mehr erhalten ist, kommen hinzu. Im Unterkiefer befindet sich ein kleiner Goldbrakteat mit 17 mm Durchmesser, verziert mit einem gleicharmigen Kreuz, dessen Arme mit einem Querbalken versehen wurden. Gertrud Dorka liest sich ein und stellt rasch fest, dass es für den Brakteaten eine Parallele in Obermöllern, Kr. Weißenfels (heute Sachsen-Anhalt) gibt. Sie interpretiert dies als Bezug der Person ins frühmittelalterliche Thüringerreich. (SMB/MVF, IXf4 b-14-3, Eintrag vom 2.4.1951).
Die Glasschale aus Grab 2 © Staatliche Museen zu Berlin, Museum für Vor- und Frühgeschichte. Foto: Klaus Göken, Quelle: _Marion Bertram: Geheimnisse eines Grabes: Verwobene Familienbande im Frühmitteltalter,_https://blog.smb.museum/geheimnisse-eines-grabes-verwobene-familienbande-im-fruehmitteltalter/
In ihrem Eintrag zum 23. April 1951 benutzt Gertrud Dorka im Diensttagebuch außerdem zum ersten Mal den Begriff „Prinzessin von Britz“. Es könnte sich eventuell um eine nachträgliche Hinzufügung handeln, doch damit ist das Narrativ geschaffen.
_Die geborgenen Skelettteile und Grabbeigaben aus Britz_
_Quelle: Landesdenkmalamt Berlin, Fst. 596, SMF 4046, Foto: vermutlich Carl Muth_
Beide Toten sind vermutlich ohne Sarg bestattet worden, denn es gibt keine entsprechenden Spuren, auch keine Verfärbungen. Dorka datiert die Funde auf das späte 5., eher das frühe 6. Jahrhundert, also in eine Phase, in der Gegend um Berlin nur noch spärlich besiedelt war. Sie kennt damals wenige merowingerzeitliche Funde aus der Region. Ihr sind einzelne Gräber bekannt, darunter der sogenannten Neuköllner Reiter (Kiekebusch 1912), doch Siedlungsspuren hat noch niemand gefunden. Sie nimmt an, dass nur wenige kleine germanische Siedlungen im heutigen Berliner Innenstadtgebiet bestanden, als um 500 die Slawen in die Spree-Havel-Region kamen. Diese Sichtweise hat bis heute im Wesentlichen Bestand (Melisch/Garlisch/Feuchter 2023, S. 19, 24).
Die Oberflächenfunde, die von den Bauarbeiter:innen in der Nähe der Gräber gefunden wurden, interpretiert sie auf mögliche weitere Gräber im Bereich des Buschkrugparkes, doch weitere Skelette werden dort nicht mehr gefunden.
_Der Schädel des jüngeren und kleineren Individuums aus Britz und Beigaben aus dem Grab 2, Aufnahme vom Oktober 1951, angesprochen auf der Rückseite der Fotografie als „Schädel des Skeletts eines 17-jährig. germanischen Mädchens (Völkerwanderungszeit) mit Glasschale, Bronzeschnallen und Gürtelhaken, Ausgrabungsstätte Britz“_
_Quelle: SMB/MVF Dorka-Album F5083, Foto: vermutlich Carl Muth_
_Im Album, das Gertrud Dorka von ihrem Team zum Dienstzeitende 1958 erhielt, steht bei diesem Bild folgende Unterschrift: „Prinzessinnengrab von Britz in Raum 7“. Das Grab wurde also ab 1955 im des provisorisch wiedereröffneten Museum für Vor- und Frühgeschichte präsentiert (siehe auch Dorka 1955)._
## **Die überfachlichen Forschungen 1951/52 und ihre Befunde**
Gertrud Dorka erkennt nicht nur, dass der Fund für die Berliner Archäologie etwas Besonderes ist, sondern sie beschließt auch, eine Untersuchung in Gang zu setzen, die deutlich über das hinausgeht, was zu diesem Zeitpunkt in der kulturwissenschaftlich arbeitenden Vor- und Frühgeschichte üblich ist: Sie konzentriert sich nicht nur auf Typologie und Chronologie der Artefakte, sondern nutzt ihre Kontakte, um auch material- und naturwissenschaftliche Untersuchungen vornehmen zu lassen. Sie mobilisiert ihre Kontakte, fragt an, lässt sich weiterempfehlen, bittet um Hilfe und gibt Aufträge. So entsteht um sie herum ein temporäres Netz von Forschern und Forscherinnen, die sich gemeinsam auf Spurensuche begeben. Diese Zusammenarbeit ist zeitlich und auf diesen Fall begrenzt, sie ist unstrukturiert und kommt ad hoc zustande. Als interdisziplinär im heutigen Sinn lässt sie sich kaum bezeichnen. Eher handelt es sich in den meisten Fällen um hilfswissenschaftliche Zuarbeiten aus anderen Fächern – mit Ausnahme der anthropologischen und der brauereiwissenschaftlichen Untersuchungen, wo die Beteiligten eigenständig über ihre Arbeit publizierten, und zwar so, dass es ihnen im wissenschaftlichen Belohnungssystem im Sinne Pierre Bourdieus auch Kapital einbrachte (Bourdieu 1983).
Dies muss man im Blick behalten: Wissenschaftler:innen verschaffen sich Anerkennung, indem sie den Regeln, Methoden und Sprechweisen eines bestimmten Feldes folgen und erwerben Reputation durch hochrangige Publikationen und Zitationen. Diese Belohnungssysteme sind aber bis heute disziplinär strukturiert.
_Zeichnungen der Glasschale aus Grab 2_
_Quelle: Landesamt für Denkmalpflege Berlin, Archäologische Fundstellen in Berlin, Ortsakte Nr. 596, Glasschale, Zeichnung: Carl Muth_
### **Mikrobiologie**
Während sie selbst an der kulturwissenschaftlichen Bearbeitung der Funde arbeitet, fragt Gertrud Dorka bereits Ende April die renommierte Berliner Genetikerin und Kulturpflanzenforscherin Elisabeth Schiemann (1881-1972), die bereits zu ihrem Netzwerk gehört, ob sie sich dafür interessiert, nach organischen Resten in den geborgenen Gefäßen zu suchen (SMB/MVF, Tagebuch IXf4 b-14-3 18.10.1950-14.7.1951, 27.4.51) Schiemann verweist sie an das Institut für Gährungsgewerbe und Stärkefabrikation in Plötzensee, wo der Brauforscher und Mikrobiologe Prof. Dr. Richard Koch forscht, und öffnet damit eine neue Tür. Zusammen mit seiner „Assistentin Frl. Dr. Thomas“ (Eintrag vom 30.4.1951) sucht er Ende April nach Heferesten in den Gefäßen (SMB/MVF, Tagebuch IXf4 b-14-3 18.10.1950-14.7.1951, 27.4.1951: „Frau Dr. Schiemann, die ich vor einigen Tagen um Rat wegen der Untersuchung des Inhalts der Gefäße von Britz angefragt hatte, hat nach Rückkehr von ihrer Reise und Überwindung einer Angina mir den Rat gegeben, mich mit dem Institut für Gährungsgewerbe in Verbindung zu setzen. Herr Prof. Dr. Koch will mich am Montag d. 30.4. in der Seestraße 13 empfangen. Seine Assistentin Frl. Dr. Hering wird wahrscheinlich die Untersuchung machen.“
Rasch liegen die Ergebnisse vor. Das Glasgefäß ist nach der Ansicht von Koch und „Frl. I. Thomas“, die wir noch nicht näher identifizieren konnten, ohne Inhalt in die Erde gekommen, zumindest finden die beiden keine organischen Reste mehr darin (Landesamt für Denkmalpflege Berlin, Archäologische Fundstellen in Berlin, Ortsakte Nr. 596, Institut für Gährungsgewerbe und Stärkefabrikation, Mikrobiologische Abteilung, Richard Koch an Gertrud Dorka,1.6.1951). Das andere Gefäß, ein sogenanntes Henkelgußgefäß aus Keramik, das Dorka als Lampengefäß und Öllampe bezeichnet, enthält noch Reste eines Fettes, das aber nicht mehr näher bestimmt werden kann (SMB/MVF, IXf4 b-14-3, Eintrag vom 2.6.1951; Landesamt für Denkmalpflege Berlin, Archäologische Fundstellen in Berlin, Ortsakte Nr. 596, Institut für Gährungsgewerbe und Stärkefabrikation, Mikrobiologische Abteilung, Richard Koch an Gertrud Dorka, 6.7.1951). Dieses Gefäß ist einer der Einzelfunde und lässt sich keiner Bestattung zuordnen.
Das Lampengefäß mit Fettspuren (Oberflächenfund, keinem der Gräber zugeordnet), _Quelle: Landesdenkmalamt Berlin, Fst. 596, SMF 4046_ , _Zeichnung: Carl Muth_
Das Tongefäß aus dem Grab 1, das mikrobiologisch untersucht wurde, Quelle: _Quelle: Landesdenkmalamt Berlin, Fst. 596, SMF 4046, Foto: vermutlich Carl Muth_
In dem Tongefäß aus „1/29.III.51 Kiesgruben Grab 1“ weisen Koch und Thomas einerseits ein winziges Stücken Leinenrest und ungeklärte blaugrüne Körnchen, eventuell Emaille, sowie körnige Überreste nach, die sie für Hefen halten. Dabei konnte es sich nach Form und Größe um Hefen handeln, die der heutigen Brauereihefe ähnlich waren (Landesamt für Denkmalpflege Berlin, Archäologische Fundstellen in Berlin, Ortsakte Nr. 596, Institut für Gährungsgewerbe und Stärkefabrikation, Mikrobiologische Abteilung, Richard Koch an Gertrud Dorka,1.6.1951). Richard Koch interpretiert die Analyse so, dass im Gefäß ein Gärungsgetränk, „möglicherweise eine Art Bier oder Met“ enthalten war. Nicht gefunden hat er Hinweise auf Malz- oder Getreidekörner, weshalb er Met wahrscheinlicher findet als Bier (Koch 1951, S. 174, 175). Viel Zeit wendet Koch für die Argumentation auf, dass Hefezellen wirklich nach so langer Zeit erhalten geblieben sein können. Dafür zieht er verschiedene belastbare andere Funde weit älterer Hefen heran.
Laborfotos der Hefereste unter dem Mikroskop, aus: _Quelle: Landesdenkmalamt Berlin, Fst. 596, SMF 4046, Foto: vermutlich_ _Richard Koch oder Frl. Thomas._
Die Befunde elektrisieren Dorka: Hefespuren. Reste eines vergorenen Getränks. Sie tendiert sofort dazu, hier einen Hinweis auf Bier zu sehen.
In einer ihrer späteren Publikationen bedankt sich Dorka bei Koch besonders für die Zusammenarbeit, indem sie hervorhebt, dass diese Untersuchung dem Naturwissenschaftler in seinem Fach eigentlich kein wissenschaftliches Renommee einbrachte:
> _„Die Gelegenheiten zu Untersuchungen alkoholischer Getränke aus der Vorzeit sind nur bei besonderen Anlässen gegeben. Erstens muß bei den ans Tageslicht gekommenen Altertümern ein auffallend interessanter Befund vorliegen, und zweitens muß auch der Chemiker da sein, der sich uneigennützig der nicht einfachen Aufgabe annimmt“_.
>
> (Dorka 1952, S. 358)
Bei der Interpretation des Laborbefundes kommt es allerdings zur – äußerst höflich ausgetragenen – Kontroverse: Richard Koch hält die Hefereste für einen Hinweis auf Met. Den Naturwissenschaftler Koch bewegt nur, was er bei der Analyse erkennt – Hefespuren, aber keine Getreidereste, weshalb er hält Bier für unwahrscheinlich hält. Gertrud Dorka ist hingegen der Ansicht, dass es sich um Bier handelt, und führt kulturgeschichtliche Quellen an, wonach in der Völkerwanderungszeit Bier konsumiert worden sei (Dorka 1951a, Koch 1951, Dorka 1952). Die gegensätzlichen Deutungen hängen hier also von den unterschiedlichen Methoden und von den Vorannahmen der Fächer ab. Als Archäologin greift Dorka auf historische Quellen zurück und denkt deshalb an Bier. Das ist ein Beispiel aus der Wissenschaftsgeschichte für das, für das, was Soziolog:innen später „situated knowledge“ nennen werden. Wissenschaftliches Wissen entsteht nicht im luftleeren Raum – sondern in einem sozialen Gefüge, und ist geprägt von Fachkontext und von den bereits jeweils existierenden Wissensbeständen.
In ihrem 1961 erschienenen Buch über Neukölln schließt sich Dorka schließlich doch der Argumentation von Richard Koch an, dass es sich um Reste von Met handelt, weil keine Reste von Malz- oder Getreidekörnern gefunden worden waren (Dorka 1961, S. 92). Die Berliner Zeitungen haben Dorkas Interpretation aber längst übernommen. 1952 schreibt „Der Tag“ im Gefäß sei eine „Steinzeit-Molle“ gewesen (L.G. 16.3.1952). 1963 feierte die „Berliner Morgenpost“ noch immer den Fund: „Berlins Brauereien können sich zu den Funden von Britz beglückwünschen. Denn ein zugkräftiger Slogan bietet sich an: ‚Das Berliner Bier ist 1400 Jahre alt. Schon die Germanen zischten eine Molle‘“ (Geisler 1963).
Doch zurück zu den Untersuchungen im Jahr 1951.
### **Botanik**
Beim Museum des Botanischen Gartens Berlin-Dahlem bittet Gertrud Dorka um die Untersuchung der organischen Überreste auf dem eisernen Pfriem aus Grab 1. Ein ganzes Team an Forschern und Forscherinnen kümmert sich um den Fund und versucht so viele Informationen wie möglich herauszuholen. Kustos Prof. Gottfried Johannes Mildbread, Kustos Prof. Hans Melchior, Dr. Georg Martin Schulze und Frl. Dr. Isa Irmgard Hansen identifizieren die Holzreste schließlich als Pappelholz (Landesamt für Denkmalpflege Berlin, Archäologische Fundstellen in Berlin, Ortsakte Nr. 596, Botanischer Garten und Museum Berlin-Dahlem, an Gertrud Dorka, 3.8.1951; SMB/MVF IXf4 b-14-4, Eintrag vom 28.7.1951; Bertram/Melisch 2018, S. 253).
Schreiben mit dem botanischen Untersuchungsergebnis, _Quelle: Landesdenkmalamt Berlin, Fst. 596, SMF 4046_
Der Auftrag regt die Botaniker:innen:innen zum Experimentieren an. Verkohlte Holzreste von der Lanzenspitze, einem der Oberflächenfunde aus der Umgebung der Gräber, werden als Laubholz angesprochen, sind aber so stark zerstört, dass nur angenommen werden kann, es habe sich um Eschenholz gehandelt. (Landesamt für Denkmalpflege Berlin, Archäologische Fundstellen in Berlin, Ortsakte Nr. 596, Botanischer Garten und Museum Berlin-Dahlem, an Gertrud Dorka, 8.12.1951.) Dorka bemerkt dazu: „Besonders Herr Dr. Schultz (sic!) hat unermüdlich neue Verfahren probiert.“ Später bedankt sie sich bei ihm mit einem Rest Leinenbatist „noch aus Friedenszeiten“ für sein Labor (SMB/MVF D 2 1951 A-Z, Gertrud Dorka an Dr. Schulz, Botanischer Garten und Museum, 12.12.1951).
### **Physische Anthropologie**
Auch die Skelette aus Britz sind geboren und gereinigt – kein selbstverständlicher Vorgang in einer Zeit, in der bei archäologischen Grabungen die Skelette von Menschen und Tieren oft noch gar nicht geborgen, oder aber stillschweigend magaziniert und nicht weiter beachtet werden (dazu Bernhard 1997, S. 200). Um mehr über die Skelettmorphologie zu erfahren, wendet sich Gertrud Dorka an den Ostberliner Mediziner und Anthropologen Hans Grimm (1910-1995). Sie selbst hat die bestattete Person aus Grab 2 schon als jugendliches Mädchen angesprochen, das andere Skelett als Mann. Am 12. Mai kommt Grimm ins Museum, um sich die Skelette selbst anzuschauen. Der Tagebucheintrag darüber ist bezeichnend, denn Gertrud Dorka, die selbst Anthropologie studiert hat und durchaus Erfahrung mit der Skelettmorphologie hat, nennt darin das zweite Skelett wieder „die Britzer Prinzessin“ (SMB/MVF, IXf4 b-14-3, Eintrag vom 12.5.1951; „Dr. Grimm sieht sich die Britzer Prinzessin an“). Ihre Meinung steht also fest, bevor der Anthropologe den Fund überhaupt sieht. Er kommt noch mehrmals ins Museum, um die Skelette zu untersuchen (z.B. SMB/MVF, IXf4 b-14-3, Eintrag vom 6.7.1951) und bringt „Schwester Gerthy“ – gemeint ist Gerthy Theis (ca. 1917-1968), mit der Grimm mehrfach publizierte (Grimm/Theis 1954). Wir wissen noch nicht viel über sie, aber auch diese Frau hatte Anteil an der Erforschung des Fundes von Britz (SMB/MVF, IXf4 b-14-3 1, Eintrag vom 11.6.1951).
Das Indivdíduum in Grab 2 in situ, Quelle: SMB/MVF FS5042, Foto: vermutlich Carl Muth
Grimm und Theis arbeiten mit den morphologischen und metrischen Methoden der Osteologie, mit denen die biologische Anthropologie seit dem 19. Jahrhundert das Geschlecht von Skeletten anspricht. Das Geschlecht lässt sich damit aber erstens nicht absolut ablesen, sondern nur in Relation zu anderen Individuen. Die Denkweise ist zwar binär, aber die osteologische Empirie verbietet es zweitens, Geschlecht nur in männlich/weiblich zu unterscheiden. Die Varianzbreiten der morphologischen und metrischen Merkmale der Skelettfunde sind auch innerhalb derselben Population groß. Außerdem sind nicht bei allen Funden die belastbaren Merkmale überhaupt erhalten. Deshalb benutzt die Anthropologie seit dem 19. Jahrhundert für manche Individuen auch die Ansprachen „nicht bestimmt“, „eher weiblich“ und „eher männlich“ (Kranzbühler 2020). Nicht selten kann man sogar nur eine Tendenz feststellen. Seit dem Fund von Britz 1951, das sei vorausgeschickt, haben sich die morphologischen und metrischen Verfahren weiterentwickelt. Vor allem werden heute weitere Sklettmerkmale hinzugenommen, und die Datenbanken mit den Vergleichsdaten sind sehr stark gewachsen und digital leicht zugänglich. Deshalb können Anthropolog:innen heute bei erwachsenen Individuen das osteologische Geschlecht mit einer Wahrscheinlichkeit von bis zu 96% ansprechen (Cox/Mays 2020). In den 1950er Jahren war die Datengrundlage noch nicht so gut und die Bestimmungswahrscheinlichkeit mithin geringer. Drittens, und das ist bis heute ein Problem: bei subadulten Individuen, also Toten, die das Erwachsenenalter noch nicht erreicht haben, ist es schwierig bis unmöglich, das osteologische Geschlecht zu bestimmen, weil der sogenannte Geschlechtsdimorphismus noch nicht genug ausgeprägt ist: die Skelette unterscheiden sich nicht ausreichend voneinander. Wenn die Altersschätzung, die übrigens mit der Geschlechtsansprache zusammenhängt, beim Skelett aus Grab 2 also zutrifft, dann handelt es sich hier um ein solches subadultes Individuum, das mit 16 bis 17 Jahren gerade an der Grenze zum Erwachsenwerden steht. Auch das ist ein Problem.
Hans Grimm scheint sich seiner Sache dennoch relativ sicher gewesen zu sein. Er sieht in den Toten einen 30- bis 35-jährigen Mann aus Grab 1 und „Reste eines Mädchens von 16 Jahren“ aus Grab 2 (Grimm 1952, S. 93). Auch über Gesundheitszustand und das Alter der Individuen gibt er selbstsicher Auskunft. Er hebt z.B. den besonders guten Erhaltungszustand der Zähne des jüngeren Individuums hervor. Zur soziokulturellen Deutung der „Prinzessin“ kann er als physischer Anthropologe, der als seine Quelle nur menschliche Überreste heranzieht, nichts sagen, und er tut das auch nicht.
Dennoch, die „Prinzessin von Britz“ ist längst geboren. Das liegt vor allem an der archäologischen Auswertung der Funde.
### **Archäologie**
Während die Naturwissenschaftler:innen mit ihren Analysen beschäftigt sind, recherchiert die Archäologin Gertrud Dorka in der archäologischen Literatur und durchforstet Fachzeitschriften nach Stücken, mit denen sie die Objektfunde vergleichen kann (SMB/MVF IXf14-13, Eintrag vom 9.5.1951). Sie will die Typen bestimmen und deren Verbreitungsgebiete und Alter herausfinden.
Dies fällt ihr nicht leicht, denn die Forschungsbibliothek des Museums für Vor- und Frühgeschichte ist im Zweiten Weltkrieg zerstört worden bzw. befindet sich nun im Ost-Berlin. Seit 1948 bemüht sich die Direktorin darum, eine neue Bibliothek aufzubauen, doch noch ist die Literaturbeschaffung schwierig. Sie ist abgeschnitten von den Forschungseinrichtungen, Museen und Universitäten der Bundesrepublik Deutschland. Ein Glücksfall ist, dass im Mai 1951 zufällig eine Tagung des Südwestdeutschen und des Norddeutschen Verbandes für Altertumskunde in Trier stattfindet, zu der Dorka eine Reisegenehmigung erwirkt und einen Interzonenpass erhalten hat. Als sie in Trier eintrifft, spricht sie sofort mit westdeutschen Prähistorikern und Angehörigen der Römisch-Germanischen Kommission des DAI, die sie von früher kennt, über den Fund. Als Forscherin und Museumsleiterin ist sie z.B. bei Joachim Werner (1909-1994) und Hans-Jürgen Eggers, Georg Kossack (1923-2004) und Günter Behm (1912-1994) schon anerkannt.
Alle schenken ihren Britzer Funden viel Beachtung (SMB/MVF, IXf4 b-14-3, Eintrag vom 16.5.1951: _„Mittags in Trier. […] Abends Treffen am Hauptmarkt. Dr. Werner und Dr. Eggers, Dr. Kossack, Dr. Dehn an meinem Tisch. Alle interessierten sich brennend für die Berliner Neufunde._ “)
Sie reist weiter ans Rheinische Landesmuseum Bonn, wo ihr der damalige Direktorialassistent Kurt Böhner u.a. eine genaue Parallelen zu der in Britz gefundenen Glasschale heraussucht.
So kann sie ihre Schale als Import aus dem Rheinland identifizieren (SMB/MVF, IXf4 b-14-3, Eintrag vom 21.5.1951). In Düsseldorf entdeckt sie dann im Stadtmuseum weitere zwei Parallelen zu ihrem Glasgefäß, die ihr bei der Interpretation helfen. Auch das Landesmuseum in Hannover gibt ihr weitere Hinweise (SMB/MVF, IXf4 b-14-3, Eintrag vom 22.5.1951). So kann sie die Glasschale als Typ identifizieren, der vom späten 5. bis über die Mitte des 6. Jahrhunderts insbesondere westlich des Rheins verbreitet war. Einzelfunde gibt es bereits in Thüringen und Schleswig-Holstein, doch nicht so weit östlich wie Berlin-Britz. Gertrud Dorka nimmt an, dass die wohl am Mittelrhein gefertigte Glasschale über Personenbeziehungen nach Thüringen schließlich bis Britz gelangte (Dorka 1961, S, 84). Später erscheinen aus München Joachim Werner und Georg Kossack sogar persönlich im Museum und bringen ihr weitere Parallelen (SMB/MVF IXf4 b-14-4, Eintrag vom 10.12.1951).
Für den Taschenbügel findet sie ein Vergleichsstück aus Köln-Müngersdorf (Dorka 1961, S. 88). Bei den metallenen Schnallen aus dem Grab des jüngeren Individuums fällt ihr auf, dass diese nicht im Beckenbereich lagen, wo man einen angelegten Gürtel vermuten würde, sondern neben der Brust, weil der Gürtel wohl neben der Person abgelegt wurde. Daneben sind Gegenstände, die Dorka sich als Inhalt einer Gürteltasche vorstellen kann: Schere, Messer, Schlüssel. Für sie passt das zum Befund ‚Mädchengrab‘.
Unterdessen holen ihre Museumsmitarbeiter bei Gartenbauamt und Post Erkundungen über die Topografie und die Besitzverhältnisse des Geländes ein und beschaffen geologische Karten (SMB/MVF D2 1951 A-Z, Gertrud Dorka an Friedrich Hermsdorf, 18.7.1951; SMB/MVF, IXf4 b-14-3, Eintrag vom 2.7.1951; SMB/MVF IXf4 b-14-4, Eintrag vom 19.7.1951). Örtliche Heimatpfleger bringen Unterlagen über die Geschichte des Bezirks und treffen Gertrud Dorka für Ortsbegehungen (SMB/MVF, IXf4 b-14-3, Eintrag vom 20.4.1951, 21.4.1951 und 25.6.1951). So kommt eine Information zur nächsten.
Am Museum erscheinen im (Früh-)sommer 1951 nun immer mehr Archäologen, um sich die Funde anzuschauen, und viele von ihnen lassen Wissen über die Artefakttypen und deren geografische und zeitliche Verbreitung zurück (z.B. SMB/MVF, IXf4 b-14-3, Eintrag vom 4.7.1951). Das alles geschieht aber recht zufällig. Gertrud Dorka kann es nicht planmäßig steuern, und sie geht nicht besonders strukturiert vor, sondern sie hört sich um, wo sie kann, und nimmt an, was sie bekommt. Hier sehen wir: Wissenschaft als Praxis hat viele zufällige, nicht rational geplante Elemente und schließt Spontanität ein. Die Bedingungen, unter denen Wissen hergestellt wird, sind kontingent. Wir sehen hier sehr deutlich, wie Wissen unter kontingenten Bedingungen hergestellt wird (Knorr-Cetina 1984/2002).
Erkennen kann man das auch an der ersten wissenschaftlichen Publikationen der Archäologin im Sommer 1951, einem Beitrag, zu dem der Brauforscher Richard Koch sie drängt. In einem großen Doppelartikel berichten beide in der Wochenzeitung „Die Brauerei“ (Dorka 1951a) über den Fund von Britz. Koch geht es natürlich nur um den Nachweis der Hefereste in Keramikgefäß. Doch Dorka gibt den archäologischen und anthropologischen Befund wieder und konstruiert hier die Geschichte der „Prinzessin“. Sie spricht von einem etwa 17-jähriges Mädchen mit sehr grazilen Knochen und einem etwa 30-jährigen Mann, dessen Körperbau ebenfalls sehr feingliedrig sei (Dorka 1951a, S. 174). Hier fällt auf: Zuerst erfolgt im Artikel die Zuordnung „weibliches Skelett“, und es wirkt so, als gebe es daran überhaupt keinen Zweifel. Auf dieser Basis werden die gefundene Objekte dann geschlechtlich interpretiert. Aufschlussreich ist, wie Dorka diese als Geräte darstellt, die „sie [die junge Frau] wahrscheinlich im Leben gebraucht hat“: den Dreilagenkamm, die bronzenen Schnallen und allerlei eiserne Instrumente. Sie stellt einen engen Zusammenhang zwischen dem angesprochenen weiblichen Geschlecht, den Beigaben und dem vermeintlich weiblichem Alltag her. Da sie sicher ist, dass es sich um ein Mädchen handelt, führt sie das Vorhandensein von Kamm, Schnellen und kleinen Instrumenten auf das zurück, was sie sich als weiblichen Alltag in der Vergangenheit vorstellt.
Gertrud Dorkas Beitrag 1951
In diesem und ihren späteren Aufsätzen präsentiert sie als Ergebnis ihrer kulturgeschichtlichen Auswertung des Sachgutes, dass die mit den Toten aufgefundenen Objekte auf Beziehungen zu Thüringen und Nordwestdeutschland, also in Richtung der merowingerzeitlichen ‚Reiche‘ der Thüringer und Franken, hinweisen. Sie kann ausschließen, dass es sich bei den Funden um Altstücke handelt. Ihre Aussagen über Herkunft und Datierung der Objekte sind bis heute weitgehend unbestritten geblieben (Bertram/Melisch 2018).
Wenn man aber Objekte an einem Ort findet, in dem man sie nicht erwartet, weil sie eigentlich einen anderen Verbreitungsraum haben, stellt sich immer die Frage: War das Objekt oder die Person mobil, bei der das Objekt gefunden wurde?
Gertrud Dorka schreibt in verschiedenen Publikationen überwiegend von Kontakten ins Rheinland und Richtung Thüringen – ein Kontakt kann sowohl die Mobilität von Sache als auch von Person umfassen. Aber es entsteht 1951 auch die populäre Geschichte von der „Prinzessin“, die vom Rhein oder aus Mitteldeutschland kam und nach Berlin verheiratet wurde. Weibliche Heiratsmobilität in einer tendenziell patrilokalen Gesellschaft ist zu diesem Zeitpunkt in den 1950er Jahren in der Archäologie ein bekanntes Deutungsmuster, wenn Sachguttypen an einem Ort außerhalb ihrer primären Verbreitungsgebiete auftauchen. Das ist auch per nicht falsch, sondern es gibt häufig gute Gründe für diese Interpretation. Es ist forschungsgeschichtlich aber in unserem Britzer Fall wichtig, deutlich zu machen, wie hier eine bestimmte soziokulturelle Erzählung entstanden ist. Dies wird noch einmal wichtig werden, wenn wir uns die Neuuntersuchung aus den Jahren 2016 bis 2018 anschauen.
1951 ergibt sich ein Schluss aus dem anderen: Es ist ein Mädchen. Es hat frauentypische Artefakte und eine seltene, wertvolle Glasschale mit ins Grab bekommen. Die Artefakte nicht keine Altstücke, sondern aus der Lebenszeit des Mädchens und sie weisen nach Franken und Thüringen. Also ist ein Mädchen der Oberschicht nach Berlin verheiratet worden.
Hier wird deutlich, dass der Prozess, in dem Wissen hergestellt wird, stark von dem geprägt ist, was zu einer bestimmten Zeit wissenschaftlich und soziokulturell plausibel erscheint und zu den jeweiligen Erwartungen passt. Er ist verankert auch im Alltag, in der Persönlichkeit und der wissenschaftlichen Sozialisation der Forschenden, also nie ganz neutral (Stötzler/Yuval-Davis 2017). Vieles hängt vom Zufall und vom Zeitpunkt ab – und von den Ressourcen und Kontakten, die die Wissenschaftlerin Gertrud Dorka hat oder eben nicht hat.
Der Fund selbst ist schon zufällig und nicht das Ergebnis einer sorgsam geplanten Forschungsgrabung. Gertrud Dorka kann die Untersuchung, die sie zur Erkenntnis führt, weder vorbereiten, noch planen. Sie muss situativ und unstrukturiert vorgehen und nimmt an, was sie erhält. Sie fragt die Personen, die ihr empfohlen werden, schon mit ihr bekannt sind, oder zufällig im Museum auftauchen. Ihre finanziellen und institutionellen Ressourcen limitieren den Erkenntnisprozess einerseits stark, andererseits ermöglichen sie ihn überhaupt: Sie hat zwar wenige Mittel zur Verfügung für die Bodendenkmalpflege, aber immerhin hat sie als Museumsdirektorin schon ein großes Netzwerk und Mitarbeitende.
Auch der Ort prägt, wie Erkenntnis geschaffen wird: In der besonderen Situation des geteilten Berlins, gleichermaßen relativ abgeschottet von den Wissenschaftseinrichtungen der Bundesrepublik und der DDR, stehen Dorka nicht allzu viele Wege und Ressourcen offen. Sie hat kaum Bücher zur Verfügung und kann nicht einfach in andere Museen und Sammlungen fahren, um nach Vergleichsfällen zu suchen. Und sie erreicht nicht alle, die ihr helfen könnten, denn sie weiß, wie ihre Korrespondenzen zeigen, auch sechs Jahre nach dem Kriegsende, noch nicht so genau, wohin es manche ihrer ehemaligen wissenschaftlichen Kontakte verschlagen hat.
Gertrud Dorka wendet an, was sie kennt. Mit den Methoden der Zeit und aufbauend auf dem, was an wissenschaftlichem Wissen bereits verfügbar ist, gelangt sie zu einer Interpretation. Die Hefespuren führen sie so zum Bier, und die wertvolle, seltene Glasschale macht ein zierliches Individuum zu einer „Prinzessin“ aus der Ferne. Die „Prinzessin“ ist geboren – wissenschaftlich gestützt und öffentlich anerkannt.
Ein **Brakteat** ist ein dünnes, einseitig geprägtes rundes Plättchen aus Gold. Der Britzer Fund wird auf Grund der Lage im Mund als Fährgeld für den Fährmann auf dem Weg ins Totenreich verstanden. Die Sitte, Brakteaten mit ins Grab zu geben, geht wohl auf Bestattungssitten der klassischen Antike zurück und wurde in der Völkerwanderungszeit auch in Mitteleuropa übernommen. Strittig ist, ob die Brakteaten schon als Zeichen der Christianisierung angesehen werden können.
* * *
Der Brakteat, © Staatliche Museen zu Berlin, Museum für Vor- und Frühgeschichte. Foto: Klaus Göken, Quelle: _Marion Bertram: Geheimnisse eines Grabes: Verwobene Familienbande im Frühmitteltalter,_https://blog.smb.museum/geheimnisse-eines-grabes-verwobene-familienbande-im-fruehmitteltalter/
**Numismatik und Metallurgie**
Die Befunde weiterer Wissenschaftler fasst Gertrud Dorka als Bestätigung dieser Interpretation auf. Der Berliner Numismatiker und Leiter des dortigen Münzkabinetts Artur Suhle beispielsweise berät sie wegen des Brakteaten (SMB/MVF IXf4 b-14-3, Eintrag vom 7.6.1951).
Schreiben des Materialprüfungsamtes, S. 1, _Quelle: Landesdenkmalamt Berlin, Fst. 596, SMF 4046_
Um materialwissenschaftliche Daten zu sammeln, marschiert Gertrud Dorka mit den gefundenen Schnallen ins Berliner Materialprüfungsamt (SMB/MVF, IXf4 b-14-3, Eintrag vom 24.5.1951 und Eintrag vom 31.5.1951). Bei der spektrografischen Untersuchung, bei der das Lichtspektrum der Objekte untersucht wird, um deren chemische Zusammensetzung zu erkennen, zeigt sich: Jede der Schnallenösen hat eine andere Zusammensetzung. Kupfer ist der Hauptanteil, aber der Gehalt von Silber, Zinn und Zink variiert. Die Dorne bestehen aus Eisen (Landesamt für Denkmalpflege Berlin, Archäologische Fundstellen in Berlin, Ortsakte Nr. 596, Materialprüfungsamt Berlin, Prüfungszeugnis, 7.6.1951: Spektrografische Kennzeichnung des Materials der Schnallen). Das bringt sie bei der kulturgeschichtlichen Interpretation allerdings nicht allzu viel weiter.
_Quelle: Landesamt für Denkmalpflege Berlin, Archäologische Fundstellen in Berlin, Ortsakte Nr. 596, Zeichnung: Carl Muth_
### **Geologie und Zoologie**
Zuletzt, erst Anfang 1952, findet sie noch Experten vom Geologischen Institut der FU Berlin, die sich die Glasperle und die vermeintliche Steinperle genauer anschauen: Reinhard Schönenburg (1914-1996) und Gerhard Bischoff (1925-2001) stellen fest, dass die vermeintliche Steinperle aus einem organischen Stoff gefertigt wurde. Gertrud Dorka zieht weiter ans Berliner Zoologische Institut, wo der Assistent Klaus Ulrich die Perle anzubrechen und das spezifische Gewicht festzustellen gedenkt, um herauszufinden, um welches Material es sich handelt. Für die kulturgeschichtliche Interpretation der Funde sind das keine wesentlichen neuen Erkenntnisse, aber forschungsgeschichtlich macht es uns nochmal deutlicher, dass Forschung hier ein Werk vieler Personen ist, die mit ganz unterschiedlichen Verfahren und fachlichen Hintergründen Informationen beisteuern. Ihre Beteiligung ist hilfswissenschaftlicher Art. Diese hohe Arbeitsteiligkeit archäologischer Arbeit und das Heranziehen von Expert:innen aus anderen Fächern ist zu diesem Zeitpunkt noch nicht typisch. Insbesondere nicht bei Rettungsgrabungen und Zufallsfunden aus der Bodendenkmalpflege. Gertrud Dorka sieht ihn diesem Fund etwas Besonderes und entscheidet sich deshalb bewusst dafür, alle (natur-)wissenschaftlichen Verfahren zu nutzen, die ihr zu dieser Zeit bekannt und in Berlin verfügbar sind. Sie bezahlt sogar privat die meisten Laboruntersuchungen. Am Museum hat sie dafür kein Budget (Landesamt für Denkmalpflege Berlin, Archäologische Fundstellen in Berlin, Ortsakte Nr. 596, Gertrud Dorka an Friedrich Otto Gandert, 10.1.1963).
### **Ist das Interdisziplinarität?**
Von Interdisziplinarität im Sinne der heutigen Wissenschaftstheorie können wir hier nicht sprechen, denn diese würde voraussetzen, dass die beteiligten Disziplinen ein reflexives, methodisch abgestimmtes und integratives Zusammenarbeiten entwickeln, das darauf abzielt, komplexe Probleme durch gemeinsame Perspektivbildung, methodische Ergänzung und echte Ergebnisintegration zu lösen. Interdisziplinäre Zusammenarbeit kommt dann zustande, wenn alle beteiligten Fächer ihre Begriffe, Methoden und Ziele von Beginn an gemeinsam abstimmen, eine geteilte Sprache finden und sicherstellen, dass jede Disziplin einen echten fachlichen Gewinn aus dem Prozess zieht – nur so lassen sich Machtasymmetrien vermeiden und ein wirklich gleichberechtigtes Arbeiten ermöglichen (Potthast 2010, S. 177-181, auch Sukopp 2010). Das ist in Dorkas Fall nicht so.
In den 1950er Jahren ist die Wertschätzung anderer, vor allem naturwissenschaftlicher Fächer in der Prähistorischen Archäologie eher gering. Im zentralen Lehrbuch des Faches aus dem Jahr 1959, der „Einführung in die Vorgeschichte“ von Hans Jürgen Eggers, ist nur ausführlich die Rede über die Chancen und Grenzen der Zusammenarbeit mit der Geschichtswissenschaft, den Philologien, der Ethnologie, Ägyptologie und verschiedener Kulturwissenschaften. Über die naturwissenschaftlichen „Nachbarfächer“ ist hingegen zu lesen, dass die Anthropologie höchstens für die früheste Menschheitsgeschichte relevant sei, für jüngere Perioden habe sie sich „ _ganz abgesehen von ihrer Überbewertung während des Dritten Reiches – bisher noch nicht gleichwertig durchsetzen können_.“ Die Geologie brauche man ebenfalls überwiegend für die ältesten Perioden. Andere Fächer wie die Zoologie und Botanik hätten ohnehin „ _nur dienende Funktion. Sie helfen das Bild der Umwelt des vorgeschichtlichen Menschen abrunden, sind aber nicht mehr von entschiedener Bedeutung_ “ (Eggers 1959, S. 24). Dasselbe gelte für die übrigen natur- und geisteswissenschaftlichen Fächer, aber, so weit geht Eggers dann doch, es gebe „keine einzige Wissenschaft, die die Vorgeschichte nicht gelegentlich als ‚Hilfswissenschaft‘ heranziehen müßte“ (Eggers 1959, S. 24). Damit war die Relevanz der anderen Fächer deutlich gemacht und auch die Hierarchie in der Sichtweise von Eggers: Dann und wann braucht man angesichts der begrenzten epistemischen Ressourcen der Archäologien die anderen Fächer für Zuarbeiten, aber ihre Bedeutung ist zu vernachlässigen.
Diese Art der asymmetrischen Zusammenarbeit nimmt erst im Lauf der 1960er Jahre zu (als Beispiel Boessneck 1968; etwas optimistischer Diáz-Andreu/Colteofean-Arizancu 2021, S. 10-12). Die „nicht-archäologischen“ Beiträge werden als Serviceleistung betrachtet und enden oft in den Anhängen der archäologischen Publikationen, wo sie wenig Beachtung finden (Henke 2010; Orschiedt 1998). Die Beteiligten anderer Fächer publizieren in der Regel auch nicht in selbst in einer für sie gewinnbringenden Weise in ihren eigenen Fächern über die jeweilige Untersuchung. Das führt vor allem unter Anthropolog:innen dazu führt, dass man sich zur Dienstleisterin degradiert fühlt (rückblickend z.B. Herrmann 2011, S. 473). Der Historiker Reinhard Koselleck hat diese Form der Kooperation 1978 als subsidiäre Interdisziplinarität bezeichnet (Koselleck 2010, S. 58).
Bedauerlicherweise äußert sich Gertrud Dorka in den uns zugänglichen Quellen nicht darüber, wie sie das sieht. Sie bemüht sich um das Wissen anderer und interessiert sich sichtlich dafür. Sie beschränkt sich nicht auf ihre eigenen Kompetenzen, aber sie macht weder ihre Beweggründe explizit, noch spricht sie viel darüber, wie sie die Zusammenarbeit erlebt oder deutet. Vielleicht tut sie das nur, um aus dem Fund, dessen Besonderheit sie gleich erkennt, das Maximum an Daten herauszuholen. Von anderen Fundbergungen und Rettungsgrabungen aus diesen Jahren ist kein solcher Aufwand überliefert. Vielleicht steht sie, wie Margarita Díaz-Andreu und Laura Coltofean in einem Überblick über die historische Entwicklung der Interdisziplinarität andeuten, als ohnehin schon marginalisierte Frau der über- und zwischenfachlichen Zusammenarbeit offener gegenüber als Männer, die ihre Grenzen stärker abstecken (Díaz-Andreu/Coltofean-Arizancu 2021, S. 12).
Vielleicht stürzt sie sich – und die anderen –, aber auch gerade deshalb so auf diesen Fund, weil er eine Besonderheit und Attraktion in ihrem sonst nicht besonders einfachen oder erfreulichen Arbeitsalltag darstellt. Sie ist in diesen Jahren tagaus und tagein damit beschäftigt, ihr Museum wieder aufzubauen, in der Ruine nach Objekten zu graben, die die Zerstörung überstanden haben könnten, notdürftig Reparaturen durchführen zu lassen, um Gelder zu kämpfen und nach Büchern für ihre Bibliothek zu suchen. Sie schlägt sich mit kaputten Dächern, einsturzgefährdeten Räumen und Schrottmetalldiebstählen in ihrer Ruine herum, und all das unter den Bedingungen der inzwischen geteilten Stadt Berlin.
Die „Prinzessin“ kommt da gerade im richtigen Moment.
## **Literatur und gedruckte Quellen**
Bernhard 1997: Wolfgang Bernhard: Grundsatzreferat. Archäozoologie, Prähistorische Anthropologie und Archäologie – Historische Entwicklung einer interdisziplinären Zusammenarbeit, in: Mostefa Kokabi (hg.): Beiträge zur Archäozoologie und Prähistorischen Anthropologie, Bd 1, Konstanz 1997, 14–22.
Bertram 1995: Marion Bertram: Glasschale, Tafel 49, in: Museum für Vor- und Frühgeschichte Berlin/Staatlicher Kulturbesitz (Hg.): Merowingerzeit: die Altertümer im Museum für Vor- und Frühgeschichte, Mainz 1995, 70.
Bertram/Melisch 2018: Ein kleiner Prinz. Neues vom ‚Britzer Mädchengrab‘, in: Acta Praehistorica et Archaeologica 50 (2018), 251–296.
Boessneck 1968: _Joachim Boessneck_ (hg.): Archäologisch-biologische Zusammenarbeit in der Vor- und Frühgeschichtsforschung. Münchener Kolloquium 1967, Wiesbaden 1968.
Bourdieu 1983: Bourdieu 1983: Pierre Bourdieu: Ökonomisches Kapital, kulturelles Kapital, soziales Kapital, in: Reinhard Kreckel (hg.): Soziale Ungleichheiten, Göttingen 1983, S. 183–198.
Cox/Mays 2000: Margaret Cox/Simon A. Mays: Sex Determination in Skeletal Remains, in: dies. (Hg.), Human Osteology in Archaeology and Forensic Science, London 2000, 117–130.
Díaz-Andreu/Coltofean-Arizancu 2021: Margarita Díaz-Andreu/Laura Coltofean-Arizancu: Interdisciplinarity in Archaeology – a Historical Introduction, in: dies. (hg.): Interdisciplinarity and Archaeology: Scientific Interactions in Nineteenth- and Twentieth-Century Archaeology, 1–21.
Dorka 1951a: Gertrud Dorka: Britzer Bier aus der Völkerwanderungszeit, in: Die Brauerei. Zeitung für das Brauereigewerbe und die Getränke-Industrie, 5 (1951), 28, 14.7.1951.
Dorka 1951b: Gertrud Dorka: Vorgeschichtliche Funde aus der Britzer Kiesgrube, in: Mitteilungsblatt der heimatkundlichen Vereinigung Berlin-Britz e.V., 2. Jahrgang, Dezember 1951, 12, 167–169.
Dorka 1952: Gertrud Dorka: Britzer Hefe aus der Völkerwanderungszeit, in: Die Brauerei. Zeitung für das Brauereigewerbe und die Getränke-Industrie, Nr. 51/52, 20.12.1952, 358–360. Der Beitrag erschien 1952 auch in den Berliner Blättern für Vor- und Frühgeschichte.
Dorka 1955: Gertrud Dorka: Die Wiedereröffnung des Museums für Vor- und Frühgeschichte, in: Berliner Museen 5 (1955), 3/4, 39–40.
Dorka 1961: Gertrud Dorka: Die vor- und frühgeschichtlichen Altertümer des Bezirks Berlin-Neukölln, hg. als Beitrag zum 600-jährigen Jubiläum von Rixdorf-Neukölln, Berlin 1961.
Eggers 1959: Hans Jürgen Eggers: Einführung in die Vorgeschichte, München 1959.
Geisler 1963: Kurt Geisler: Es war vor 1400 Jahren: in Britz trank man Bier, in: Berliner Morgenpost, 2.6.1963, 24.
Grimm 1952: Hans Grimm: Über spätgermanische Skelettreste aus Berlin-Britz und Berlin-Neukölln, in: Zeitschrift für Morphologie und Anthropologie, 44 (1952), H. 1/2, (Festschrift für Hans Weinert), 89–100.
Grimm/Theis 1954: Hans Grimm/Gerthy Theis: Einige Feststellungen am Skelett aus dem völkerwanderungszeitlichen Männergrab von Phöben (5. Jahrhundert neuer Zeitrechnung), in: Zeitschrift für Morphologie und Anthropologie 46 (1954), 2, 161–166.
Haraway 1988: Donna Haraway: Situated Knowledges: The Science Question in Feminism and the Privilege of Partial Perspective, in: Feminist Studies, 14 (1988), 3, 575–599.
Henke 2010: Winfried Henke: Wissenschaftshistorische Betrachtung der Beziehung zwischen Paläoanthropologie und Älterer Urgeschichte, in: Mitteilungen der Gesellschaft für Urgeschichte 19 (2010), 173–192.
Herrmann 2011: Joachim Herrmann: Innerfachliches und Fächerübergreifendes aus einer anthropologischen Sicht und historische Mensch-Umwelt-Beziehungen, in: Thomas Meier/Petra Tillessen (Hg.), Über die Grenzen und zwischen den Disziplinen. Fächerübergreifende Zusammenarbeit im Forschungsfeld historischer Mensch-Umwelt-Beziehungen, Budapest 2011, 471–485.
Jungert/Romfeld/Sukopp/Voigt 2010: Michael Jungert/Elsa Romfeld/Thomas Sukopp/Uwe Voigt (hg.) (2010): Interdisziplinarität. Theorie, Praxis, Probleme, Darmstadt.
Kernd’l/von Müller 1976: Alfred Kernd’l/Adriaan von Müller: Archäologie in einer Großstadt. 1200 Jahre Ur- und Frühgeschichte Berlins. Führer zur Ausstellung, Köln 1976.
Kiekebusch 1912: Albert Kiekebusch: Ein germanisches Reitergrab aus der späten Völkerwanderungszeit von Neukölln (Rixdorf) bei Berlin, in: Prähistorische Zeitschrift 5 (1912), 395–403.
Knorr-Cetina 1984/2002: Karin Knorr-Cetina: Die Fabrikation von Erkenntnis. Zur Anthropologie der Naturwissenschaft, Frankfurt am Main.
Koch 1951: Richard Koch: Die Untersuchung der Britzer Gräberfunde, in: Die Brauerei, Zeitung für das Brauereigewerbe und die Getränke-Industrie, 5 (1951), 28, 14.7.1951, 174–175.
Koselleck 2010: Reinhart Koselleck: Interdisziplinäre Forschung und Geschichtswissenschaft (1978), in: ders. (hg.): Vom Sinn und Unsinn der Geschichte. Aufsätze und Vorträge aus vier Jahrzehnten. Unter Mitarbeit von Carsten Dutt, Berlin, 52–67.
Kranzbühler 2020: Johanna Kranzbühler, Osteology Defines Sex and Archaeology Defines Gender? Insights from Physical Anthropology, in: Julia Katharina Koch/Wiebke Kirleis (Hg.), Gender Transformation in Prehistoric and Archaic Societies, Leiden 2020, 125–132.
L.G. 1952: Vorgeschichte unterm Pflaster. Die Steinzeit-Molle und die Prinzessin von Britz, in: Der Tag, 16.3.1952.
Melisch/Garlisch/feuchter 2023: Claudia Maria Melisch/Ines Garlisch/Jörg Feuchter: Die ersten Berliner. Leben an der Spree zwischen 1150 und 1300, Berlin 2023.
N.N. 1952: N.N.: Oktober Tagung der VLB, 7.10.-9.10.1952 in Hannover, in: Die Brauerei. Zeitung für das Brauereigewerbe und die Getränke-Industrie, 6 (1952), 39, 1.
Orschiedt 1998: Jörg Orschiedt: Anthropologie und Archäologie. Interdisziplinarität – Utopie oder Wirklichkeit?, in: Archäologische Informationen 21, H. 1, 33–39.
Potthast 2010: Thomas Potthast 2010: Epistemisch-moralische Hybride und das Problem interdisziplinärer Urteilsbildung«, in: Jungert/Romfeld/Sukopp/Voigt 2010: Michael Jungert/Elsa Romfeld/Thomas Sukopp/Uwe Voigt (hg.): Interdisziplinarität. Theorie, Praxis, Probleme, Darmstadt, 173-191.
Secord 2004: James A. Secord: Knowledge in Transit, in: _Isis_ , 95, H. 4, 654–672.
Stötzler/Yuval-Davis 2017: Marcel Stötzler/Nira Yuval-Davis: Situated Knowledge, in: George Ritzer (hg.): The Blackwell Encyclopedia of Sociology, Malden, MA 2007, doi:10.1111/b.9781405124331.2007.x.
Sukopp, Thomas (2010): »Interdisziplinarität und Transdisziplinarität. Definitionen und Konzepte«, in: Jungert/Romfeld/Sukopp/Voigt (hg.): Michael Jungert/Elsa Romfeld/Thomas Sukopp/Uwe Voigt (hg.), Interdisziplinarität. Theorie, Praxis, Probleme, Darmstadt, 13–29.
Wagner 2006: Karin Wagner: Bodendenkmalpflege in Berlin seit 1945, in: Jörg Haspel/Wilfried Menghin: Miscellanea Archaeologica III, Berlin und Brandenburg: Geschichte der archäologischen Forschung, Berlin 2006, 198–219.
## Archivalien
Der Beitrag beruht vorwiegend auf Beständen des Berliner Archivs des Museums für Vor- und Frühgeschichte, wo u.a. die Diensttagebücher und die Dienstkorrespondenzen von Gertrud Dorka überliefert sind. Eingesehen wurde außerdem im Landesamt für Denkmalpflege Berlin die Ortsakte Nr. 596.
## Dank
Unser herzlicher Dank geht an:
Horst Junker, Julia Reidel und Nadine Schicker vom Museum für Vor- und Frühgeschichte Berlin
Ivo Hörnicke vom Landesdenkmalamt Berlin
Michaela Knoer von der Versuchs- und Lehranstalt für Brauerei in Berlin (VLB) e.V. Berlin
Claudia M. Melisch, Melisch Archäologie KG
Diesen Beitrag zitieren: Elsbeth Bösl: Die Britzer Prinzessin – ist ein Prinz. Ein archäologischer Fundkrimi in drei Teilen. Teil 1, in: AktArcha. Akteurinnen archäologischer Forschung und ihre Geschichte(n), 26.3.2026, https://aktarcha.hypotheses.org/11636.
* * *
OpenEdition schlägt Ihnen vor, diesen Beitrag wie folgt zu zitieren:
Elsbeth Bösl (26. März 2026). Die Britzer Prinzessin – ist ein Prinz. _AktArcha_. Abgerufen am 26. März 2026 von https://aktarcha.hypotheses.org/11636
* * *
* * * * *
https://aktarcha.hypotheses.org/11636