loading . . . 22. Juni 1626: Ein hessischer Kommunikationstag in Kassel Als Feldherr kämpfte Tilly vor allem gegen die Truppen Christians IV. von Dänemark und auch Mansfelds. Doch schon seit längerer Zeit fühlte er sich ausgesprochen unsicher wegen der politischen Entwicklung in Hessen-Kassel. Vieles deutete darauf hin, daß Landgraf Moritz die Unternehmungen der Feinde des Kaisers tatkräftig unterstützte. Selbst die Belagerung Mündens erklärte er mit dem Argument, daß die Stadt in konspirativem Kontakt zum hessischen Landgraf stünde1.
Deswegen überraschte es nicht, daß Tilly auch auf die politische Entwicklung in Hessen-Kassel weiter Einfluß nehmen wollte. Ein erprobtes Mittel für den Feldherrn, in die Landespolitik einzugreifen, war die Einberufung der Landstände – eigentlich ein absolutes Vorrecht des Landesherrn, doch der ligistische Feldherr hatte längst verstanden, daß er auf diese Weise den Landgrafen unter Druck setzen konnte2. So geschah es auch dieses Mal, als Tilly von Münden aus die Ritter und Städte nach Gudensberg zusammenrief. Landgraf Moritz reagierte, als er davon hörte, mit einer Abmahnung. Doch das konnte 20 Ritter und Vertreter von 15 Städten nicht abhalten, zur ausgeschriebenen Zusammenkunft zu erscheinen3.
Die dort erschienenen Abgesandten Tillys formulierten ihre Beschwerden, die sich vor allem auf die Aktionen gegen die in Hessen stationierten ligistischen Garnisonen bezogen; hier wollte man eine Garantie, daß diese Übergriffe aufhörten. Gleichzeitig stand die Drohung im Raum, daß ligistische Truppen namens des Kaisers die Festungen Kassel und Ziegenhain besetzten – ein Schritt, der faktisch einer Kapitulation des Landgrafen gleichgekommen wäre. Ohnehin stand auch ein Rücktritt Moritz’ im Raum, wie auch das Schicksal dessen vertrauten Rats Wolfgang Günther.
All diese Punkte wollten die Landstände nicht entscheiden, sondern ihrem Landesfürsten vorlegen. Entsprechend wurde ein Kommunikationstag in Kassel verabredet, zu dem am 22. Juni 1626 acht Ritter und acht Städtevertreter erschienen. Letztlich konnte Landgraf Moritz die Forderungen, die ihm von den Landständen überbracht wurden, letztlich aber auf Tillys Vorstellungen zurückgingen, zurückweisen. Insbesondere der sog. Hauptrevers, der u.a. die kaiserliche Besetzung der Landesfestungen, die Abdankung des hessischen Kriegsvolks und die Unterstützung der kaiserlichen Truppen vorsah, war für Landgraf Moritz unannehmbar; die Rede war von einem „schimpflichen Vertrag[.]“4.
Tatsächlich sollte später eine deutlich abgemilderte Fassung als Assekurationsakte verabschiedet werden – möglich war dies, weil die militärische Entwicklung im Niedersächsischen Reichskreis Tilly zwang, den Druck auf Hessen zu reduzieren. Die letztlich im Juli getroffenen Verabredungen waren für keine Seite wirklich befriedigend, und die Konflikte in Hessen-Kassel sollten weitergehen. Die Versammlung der Landstände zu Gudenheim und die darauf stattfindenden Beratungen zu Kassel zwischen den Ständen und dem Landesfürsten zeigten aber, wie stark das Land nicht nur unter dem militärischen Druck des kaiserlich-ligistischen Waffen stand, sondern auch wie sehr diese Konstellation das politische Machtgrundlage des Landgrafen zu destabilisieren begann.
1. Vgl. Generalleutnant Tilly an Kurfürst Maximilian von Bayern, Münden 10. Juni 1626, Bay HStA Kurbayern Äußeres Archiv 2367 fol. 402-402‘ Ausf. [↩]
2. Siehe auch 4. Februar 1625: Tilly beruft die hessischen Landstände ein. _dk-blog_. Abgerufen am 7. Juni 2026 von https://doi.org/10.58079/138hk . [↩]
3. Siehe die Übersicht über die landständischen Zusammenkünfte bei Günter Hollenberg (Hg.): Hessische Landtagsabschiede. 1605-1647 (= Politische und parlamentarische Geschichte des Landes Hessen, Bd. 33), Marburg 2007, Nr. 54a, S. 224-226. [↩]
4. Mit Zitaten aus den Dokumenten und entsprechenden Paraphrasen Christoph von Rommel: Geschichte von Hessen, Bd. 7,3 (4,3, Neuere Geschichte von Hessen): Hessen-Cassel: L. Moriz I. mit dem Beinamen des Gelehrten, 1592-1627, Marburg 1839, S. 632-648, hier 645. [↩]
Michael Kaiser
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Michael Kaiser (30. Juni 2026). 22. Juni 1626: Ein hessischer Kommunikationstag in Kassel. _dk-blog_. Abgerufen am 30. Juni 2026 von https://dkblog.hypotheses.org/6666
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