loading . . . Querfront fĂŒr den Frieden? am Freitag, den 5.12. haben auch in Dresden viele SchĂŒler_innen gegen die EinfĂŒhrung der Wehrpflicht protestiert. Ort der zentralen Kundgebung war der Postplatz, die organisatorische Regie fĂŒhrte in Dresden sichtbar die âSozialistische Deutsche Arbeiterjugendâ SDAJ. Aber auch andere politische Gruppen waren anwesend: Flyer wurden auch verteilt vom Roten Baum (Partei die Linke), von der âKommunistischen Organisationâ KO, vom âBĂŒndnis Sahra Wagenknechtâ BSW, von der âBĂŒrgerrechtsbewegung SolidaritĂ€tâ BĂŒSo. Ansonsten gab es da Menschen mit Fahnen der âFreien Arbeiter*innen Unionâ FAU, Menschen mit Schildern des âInternationalistischen Zentrumsâ IZ, es gab aber auch Leute die eins gelegentlich bei den montaglichen Dresdner Fascho-UmzĂŒgen von Marcus Fuchs & Co. schon sehen konnte und Interviews des Youtube-Faschokanals âDeutschlandkurierâ.
## Flyerschau
Die SDAJ verteilte ein Heftchen, welches die Wehrpflicht in ihr Schema der WelterkĂ€rung einpasst, z.B. zur âSicherung der Vormachtstellung des westlichen Imperialismusâ, aber auch organisatorische Tangenten dazu mitbearbeitet wie âGewerkschaftsbasis und Friedenskampfâ â ob es diese Position ist, welche die FAU-Menschen angesprochen hat?
Der Flyer von der KO wird direkt geschichtsrevisionistisch. Eine Chronologie, welche mit Rosinenpickerei versucht darzustellen wie Russland â und irgendwie die ganze Welt â von der NATO kriegerisch bedroht wird, macht Georgien dafĂŒr verantwortlich, von Russland ĂŒberfallen worden zu sein. Ebenso stellt sich die Agression gegen die Ukraine seit 2014 dar, die sich bei der KO wie eine ParallelrealitĂ€t liest. In der Aussenperspektive fast schon lustig: der MilliardĂ€r, Terrorfinanzier und ehemalige Diktator von Lybien Ghadaffi ist bei ihnen ĂŒbrigens ein FreiheitskĂ€mpfer gegen die USA.
Das BSW empfiehlt den SchĂŒler_innen ab 17 sich zu einer Kaserne zu begeben und sich freiwillig mustern zu lassen um im Anschluss den Kriegsdienst formell verweigern zu können.
Die Propaganda der BĂŒSo â den Ălteren eine vielleicht aus den 90ern und 00ern noch bekannte Querfrontsekte â versucht ihre ĂŒblichen Punkte an das Thema anzupassen. Unscharfe, nach Antiimperialismus klingende Formulierungen, die oberflĂ€chlich vielleicht China huldigen, knĂŒpfen ein bisschen an die abstrakte Friedensrhetorik der 80er Jahre an, dies könnte auch am Alter der SektenfĂŒrstin liegen.
## Wer ist warum da?
Warum die SchĂŒler_innen da sind, ist sehr einfach zu verstehen: sie haben einen genuinen Grund, sich gegen die Wehrpflicht zu stellen: sie sind von ihr direkt betroffen.
Warum autoritĂ€re marxistische Gruppen wie die SDAJ und die KO auflaufen ist der gleiche Grund wie warum rechte Gruppen wie BSW oder BĂŒso da auftauchen: die einen wollen im Aussenbild davon profitieren dass da ein grosser Protest war den sie mindestens teilweise vereinnahmen konnten â Punkt fĂŒr SDAJ, vielleicht auch fĂŒr PdL und BSW mit Interviews im Lokalfernsehen â zum anderen bieten sie den anwesenden Jugendlichen eine Interpretation der Gesamtsituation an, welche direkt auf ein Weltbild hinauslĂ€uft. Sie sind also da, um Sympathisant_innen zu gewinnen.
Das Angebot der organisierten Kadergruppen an Leute, die sich an das unĂŒbersichtliche Feld sehr linker Bewegung erst noch gewöhnen, ist Orientierung. Die Welt wird in einen einfachen Pseudokampf gegen âdie da obenâ aufgeteilt, welcher gesellschaftliche Konflikte verschleiert und echte Kritik erschwert. Und an genau der Stelle ergibt sich die Gelegenheit fĂŒr die Querfront: so einen Pseudokampf haben Rechte auch. Die Schuldigen werden manchmal anders benannt, eins selbst aber ist auf der Seite der âGutenâ weil eins sich irgendwie âuntenâ fĂŒhlt.
Was genau treibt eigentlich sich als anarchistische oder antiautoritĂ€re Linke Verstehende dazu, sich da einfach dazuzustellen? Wie ist es so als Anarchist_in ohne eigene Botschaft direkt neben Leuten zu stehen, in deren Organisationen es genĂŒgend Menschen gibt welche die militĂ€rischen Morde des Bolschewismus an Anarchist_innen immer noch richtig finden? Wie fĂŒhlt es sich an als Klatschvieh fĂŒr welche zu erscheinen, die zwar den einen Imperialismus verteufeln, zu den anderen aber schweigen oder sie verschleiern? Wo waren ein paar solidarische Leute, welche das Faschoteam abdrĂ€ngen oder der Kundgebung verweisen?
AntiautoritĂ€re Linke haben keine eigene Position zu Wehrpflicht und Militarismus artikuliert. Sie haben offensichtlich auch keine Kritik an autoritĂ€ren Linken. Eine ungute Wiederholung vom 1. September diesen Jahres, als antiautoritĂ€re Linke â ebenfalls ohne eigene Message oder Kritik â gemeinsam mit AutoritĂ€ren gegen Militarismus demonstrierten.
Und autoritÀre Linke, welche als Organisateur_innen auftreten, haben sehr offensichtlich kein Interesse an Abgrenzung zu Rechten oder gar Antifaschismus.
Ich als antiautoritĂ€rer Linker wĂŒrde mir wĂŒnschen, dass Linke mehr auf ihre Prinzipien schauen als darauf, einem wohligen BewegungsgefĂŒhl hinterherzujagen. Dazu wĂŒrde gehören, autoritĂ€re Querfronten zwischen Pazifist_innen und UnterstĂŒtzer_innen eines militĂ€risch expandierenden Staates zu kritisieren genauso wie welche zwischen linken und rechten vermeintlichen Kritiker_innen des Kapitalismus.
_danke an ein paar Menschen fĂŒr frĂŒhzeitige Kritik an diesem Rant_ https://rant.li/kamikadse161/querfront-fuer-den-frieden