loading . . . Denken, aber in ganzen Sätzen Habt ihr es schon mal versucht, in ganzen Sätzen zu denken? Keine Sorge, ich will euch nicht beschimpfen. Aber das Thema ist mir wichtig. Gerade in Zeiten, in denen bei „Das crazy“ irgendwie das Verb „ist“ fehlt und es vermutlich deshalb als EIN „Jugendwort“ auserkoren wurde, ist es mal wieder notwendig, sich in ganzen Sätzen auszutoben. Wir sind ja hier nicht beim Telegrafenamt. Ja, wir sind im Internet, und alles wird immer goldfischaufmerksamkeitsspannig. Aber wenn das so ist, dann kommt mir nie wieder mit „Ich bin Selbstdenker“.
## Wie kam ich denn darauf?
Ich gucke so interessiert im Internet herum. Dabei meine ich nicht, dass ich das nächste Meme auf irgendeiner Bilder-Anguck-Plattform verfolge, auf der ich doomscrollend den Tag verplempere. Ich meine Wortbeiträge. Ja, Freunde, aneinander gereihte Worte, die im besten Fall auch noch irgendeine Art Sinn ergeben. Wo es das gibt? Bei Blogs, zum Beispiel. Und ja, beim Bloggen muss man denken, sogar selbst und in ganzen Sätzen. Das fällt vielen Menschen immer schwerer.
Keine Sorge, ich mache nicht den Fehler, mich als die Krone der Schöpfung hinzustellen. Dafür habe ich gar nicht die Nerven. Aber wenn ich mal in die Verlegenheit komme, ohne Account auf Instagram oder TikTok vorbei zu schrapeln, bluten rasend schnell meine Augen. Was lässt man sich denn da alles an leeren Worthülsen einfallen? Denken die dort echt, dass es eh scheißegal ist, Hauptsache, es klickt? Was für eine Welt! Und da bin ich froh, dass es immernoch die Blogs gibt. Ihr lest gerade einen, so als Orientierung.
## Denken beim Bloggen
Wie lang bleibt irgendein Kram, den ihr auf einer der bunten Glitzer-Plattformen fallenlasst und damit eure Rechte daran abgebt? Ein Tag? Ein halber? Was meint ihr, wie das mit einem Blogartikel ist? Bei mir wird nach wie vor ein Blogartikel von vor 10 Jahren aufgerufen und – laut Verweildauer – auch gelesen. Gut, das war damals ein Zufall. Niemals hätte ich daran geglaubt, dass der Artikel tausende Male aufgerufen wird. Und hier kommt etwas entscheidendes ins Spiel.
Wer bloggt, schafft unter Umständen irgendwas für die Ewigkeit. Zumindest so lang der Blog existiert. Dazu empfiehlt es sich durchaus, auch mal zu denken. Ja, mir ist schon klar, dass das andere auf den Glitzer-Plattformen auch machen. Mir geht es darum, dass du beim Bloggen dann schon auch in ganzen Sätzen denken solltest. Warum? Bei einem Blogartikel hat man unter Umständen eine gewisse Verantwortung, weil sie eben so viel länger Bestand als ein Reel haben.
Ich weiß schon, Denken kann richtig zur Arbeit werden. Es ist nicht so einfach wie ein Foto zu Instagram zu werfen und ein Hashtag „BestTime“ oder sowas dran zu pappen. Da letzteres so viel weiter verbreitet ist als das Bloggen, bei dem du denken und Aspekte wälzen musst, sind Blogs leider viel unsichtbarer als noch vor Jahren geworden. Es ist halt nicht das Viral-gehen, das uns zu einem Blogartikel treibt.
## Fangt doch einfach (wieder) an
Nachdem ich ja nun heraus posaunt habe, dass es ganz praktisch ist, beim Bloggen zu denken, muss ich ja auch irgendwas haben, wohin die Reise geht. Ich habe ja hier im Artikel so einiges gefragt. Das ist ja auch so ein Ding beim Bloggen: Lesende müssen auch beim Lesen eines Blogartikels mitmachen. Sie müssen auch denken. Wer einen Artikel schreibt, setzt sich zum Teil enorm tief mit einem Thema auseinander. Das Publikum darf sich dann auch gern mit dem Text auseinandersetzen.
Beim Bloggen geht es doch auch darum, Argumente zu finden und auszuformulieren, Quellen zu verlinken, Gedanken zu wälzen. Du kackst da deinem Publikum nicht einfach einen Haufen in die Timeline und erwartest, dass die sich über den Geruch freuen. Deshalb muss das schon alles zusammenpassen. Und nachdem du da halbwegs sorgfältig bist, schaffst du damit etwas mit Bestand. Oder wie Steffen Voß schreibt:
> Blogs zwingen uns, in ganzen Sätzen zu denken. Blogs schaffen Archive. Blogs ermöglichen echte Diskussionen. Blogs sind demokratisch: Jede*r kann einen schreiben. Kein Algorithmus entscheidet, wer gehört wird.
Viele Blogs wurden eingestampft oder liegen brach, weil das Bloggen anstrenger als ein Reel sein kann. Der schnelle Fame bleibt aus. Aber in den Zeiten, in denen wie jetzt die Welt aus den Fugen geraten ist, ist es vielleicht mal wieder an der Zeit, seine Gedanken zu verschriftlichen und dann sozusagen zum Diskurs zu stellen. Es gibt Leute, die machen sich das zum Credo. Darum ist es auch für andere eigentlich (wieder) an der Zeit diese ganzen Sätze fertig zu denken und mit dem Bloggen anzufangen, oder?
## Einfach mal weitersagen
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