loading . . . Tremate, tremate le streghe son tornate! Hexen in der PopulĂ€rkultur â Figuren und Narrative in Medien und KĂŒnsten Tremate, tremate le streghe son tornate! Hexen in der PopulĂ€rkultur â Figuren und Narrative in Medien und KĂŒnsten
Im Herbst 1996 startete die TV-Serie Sabrina, the Teenage Witch auf ABC Dieses kleine JubilÀum wollen wir nutzen, um uns in einer interdisziplinÀr ausgerichteten Tagung mit den vielfÀltigen, stetig changierenden Hexenbildern in der PopulÀrkultur zu befassen.
Sabrina bietet sich als Ausgangspunkt an, weil sie einerseits Teil des von Rachel Moseley 2002 als «glamourous witchcraft» (vgl. Moseley 2003) bezeichneten PhĂ€nomens ist, das anhand der Figur der jungen Hexe Magie, Feminismus und Weiblichkeit zusammenzufĂŒhren versucht. Diese Art der Hexendarstellung ist fĂŒr die spĂ€ten 1990er Jahre prĂ€gend und wird in der TV-Serie Charmed (1998) oder in den Filmen The Craft (1996) und Practical Magic (1998) verbreitet. Andererseits, weil die Hexe Sabrina schon ab den 1960er Jahren in den Archie-Comics und einer Animationsserie auftritt und ab 2018 auch mit The Chilling Adventures of Sabrina ein Remake erfĂ€hrt (vgl. Mathis, Graves und Tyndall 2023). Der letzte Titel verweist auf eine Tendenz, die sich ab den 2010er Jahren wieder deutlicher manifestiert, indem die dunkle, gefĂ€hrliche Seite der Hexe, die lange prĂ€gend war, wieder in den Vordergrund rĂŒckt. Ein Trend, der sich auch in den TV-Serien Salem (2014), American Horror Story mit der Staffel Coven (2013) oder im Film The VVitch. A New England Folktale (2015) niederschlĂ€gt (vgl. Corcoran 2022; Ho 2021; Johnston und Aloi 2007; Heller-Nicholas 2024; Greene 2018).
Diese Beispiele zeigen, dass die Hexenbilder untereinander im Austausch stehen, auf kulturelle Deutungsmuster rekurrieren, auf soziale, religiöse und wirtschaftliche VerĂ€nderungen der Gesellschaft reagieren (vgl. BlĂ©court 2017; Stephens 2020). Das nehmen wir als Gelegenheit, die vielfĂ€ltigen Metamorphosen der Gestalt der Hexe in den letzten 250 Jahren seit dem Ende der gerichtlich sanktionierten Hexenverfolgungen zu betrachteten. Dabei sind wir uns bewusst, dass viele der heute verbreiteten Elemente des Hexenimaginationen eine zeitlich wesentlich weiter zurĂŒckreichende Geschichte aufweisen als die eingangs erwĂ€hnte Sabrina. Erinnert sei an die sexualisierten Hexendarstellungen bei Hans Baldung Grien oder Albrecht DĂŒrer, oder an Quellen aus der Zeit der Hexenverfolgung wie der Wickiana oder dĂ€monologische Schriften aus dem 15. und 16. Jahrhundert (vgl. Hinz und Brinkmann 2007; Hults 2005). In den MĂ€rchen â nicht nur bei den BrĂŒdern Grimm â nehmen Hexen eine wichtige Rolle als hĂ€ssliche, dĂ€monische Antagonistinnen ein. Vorgezeichnet im 19. Jahrhundert (Michelet 1862), findet die Vorstellung der Hexe als AnhĂ€nger:in eines heidnischen (Frucht-barkeits-)Kultes im 20. Jahrhundert durch die Entstehung von Wicca und verwandten neureligiösen Gruppen Aufschwung (vgl. z.B. Hutton 1999; Magliocco 2004; Hegner 2019). Diese unterschiedlichen Elemente formieren in sich stetig Ă€ndernder Zusammensetzung das Bild der Hexe. Daraus lĂ€sst sich schlieĂen, dass DIE Hexe nicht existiert â vielmehrwerden je nach Zeit- oder Sprachraum, literarischem Genre und Alter der intendierten Adressat:innen unterschiedliche Hexendarstellungen favorisiert. Ob als dĂ€monisierte AuĂenseiterin, naturverbundene Heilerin oder Symbol weiblicher (menschlicher) SelbstermĂ€chtigung, fungiert die Hexe stets als ProjektionsflĂ€che.
Die geplante, interdisziplinÀr ausgerichtete Tagung nimmt Hexenbilder und Hexennarrative in ihrer historischen, sozialen und kulturellen Gewachsenheit in den Blick und fragt nach deren medialer, Àsthetischer und/oder ideologischer Konstruktion.
Mögliche Themenfelder umfassen unter anderem:
- Historische und literarische Traditionslinien von HexennarrativenÂ
- Aneignung und Umdeutung in zeitgenössischer Kunst und PopkulturÂ
- Hexenbilder in bildender Kunst, Theater, Musik, Film, Fernsehen und StreamingÂ
- Narrative und visuelle Strategien in MĂ€rchen, Sagen, Fantasy, Horror und Folk HorrorÂ
- Hexen als politische und gesellschaftliche ProjektionsfigurenÂ
- Gender- und Queer-Perspektiven auf HexendarstellungenÂ
- Performative, rituelle und aktivistische Inszenierungen der HexeÂ
- Hexen zwischen Kommerzialisierung, Tourismus und Fan-KulturÂ
- Fashion, Social MediaÂ
- Moral/Satanic Panics
Abstracts (max. 250 Wörter) sowie eine kurze biografische Notiz (ca. 50 Wörter) werden bis zum 01.05.2026 erbeten an [email protected], damit auch diejenigen, die an der Walpurgisnacht tanzen mĂŒssen, keine Terminkollision haben. Alle Informationen finden Sie unter Tagung Hexen in der PopulĂ€rkultur.
Die Benachrichtigungen ĂŒber die Annahme erfolgt bis spĂ€testens Ende Juni 2026. Eine Publikation der TagungsbeitrĂ€ge ist geplant.
ErwÀhnte Literatur
BlĂ©court, Willem de. 2017. Witches on Screen. In: The Oxford Illustrated History of Witchcraft and Magic, hg. von Owen Davies, 253â288. Oxford: Oxford University Press.Â
Corcoran, Miranda. 2022. Witchcraft and adolescence in American popular culture: teen witches. Horror studies. Cardiff: University of Wales Press.Â
Greene, Heather. 2018. Bell, book and camera: a critical history of witches in American film and television. Jefferson, North Carolina: McFarland & Company, Inc., Publishers.Â
Hegner, Victoria. 2019. Hexen der GroĂstadt: UrbanitĂ€t und neureligiöse Praxis in Berlin. Urban studies (Bielefeld, Germany). Bielefeld: Transcript.Â
Heller-Nicholas, Alexandra. 2024. The cinema coven: witches, witchcraft and womenâs filmmaking. Jefferson, North Carolina: McFarland & Company, Inc., Publishers.Â
Hinz, Berthold und Bodo Brinkmann. 2007. Hexenlust und SĂŒdenfall: die seltsamen Phantasien des Hans Baldung Grien Ausstellung, Frankfurt am Main, StĂ€del Museum, 24. Februar-13. Mai 2007. Petersberg: Michael Im-hof Verlag.Â
Ho, Aaron K. H., Hrsg. 2021. The new witches: critical essays on 21st century television portrayals. Jefferson, North Carolina: McFarland & Company, Inc., Publishers.Â
Hults, Linda C. 2005. The witch as muse: art, gender, and power in early modern Europe. Philadelphia: Univ. of Pennsylvania Press.Â
Hutton, Ronald. 1999. The triumph of the moon: a history of modern pagan witchcraft. OxfordâŻ; New York: Oxford University Press.Â
Johnston, Hannah E. und Peg Aloi, Hrsg. 2007. The new generation witches: teenage witchcraft in contemporary culture. Controversial new religions. Aldershot, EnglandâŻ; Burlington, VT: Ashgate.Â
Magliocco, Sabina. 2004. Witching culture: folklore and neo-paganism in America. Contemporary ethnography. Philadelphia, Pa: University of Pennsylvania Press.Â
Mathis, Cori, Stephanie A. Graves und Melissa Tyndall, Hrsg. 2023. Netflixâs Chilling adventures of Sabrina: Hellâs under new management. Lanham: Lexington Books.Â
Moseley, Rachel. 2003. Glamorous Witchcraft: Gender and Magic in Teen Film and Television. Screen 43, Nr. 4: 403â422.Â
Stephens, John. 2020. Where Have All the Witches Gone? The Disappearing Witch and Childrenâs Literature. In: The Routledge History of Witchcraft, hg. von Johannes Dillinger, 382â391. London: Routledge.
Organisation und Kontakt
Dr. Meret FehlmannÂ
Prof. Dr. Christine Kötscher
Organisiert von
Institut fĂŒr Sozialanthropologie und Empirische Kulturwissenschaft - PopulĂ€re Kulturen der UniversitĂ€t ZĂŒrich
EK
24. MĂ€rz 2026
UniversitĂ€t ZĂŒrich
ZĂŒrich
Website der Veranstaltung
Hexen in der PopulĂ€rkultur â Figuren und Narrative in Medien und KĂŒnsten http://dlvr.it/TRg5t9